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ADP SOCIAL MEDIA INDEX – 5. ERHEBUNG

ADP Social Media Index (ASMI), der die Aktivitäten der Personalbereiche deutscher Unternehmen misst, zeigt auch Ende 2014 einen weiteren Anstieg bei der Nutzung sozialer Medien. Die Qualität der angebotenen Informationen hat sich stark verbessert. Auch im 1. Halbjahr 2015 wollen die HR-Bereiche stärker in die sozialen Medien investieren.

Die Unternehmen haben mittlerweile eindeutig erkannt, dass die Nutzung von sozialen Medien Vorteile bei der Personalarbeit bringt. Die 5. Umfrage von ADP, dem weltweit führenden HR-Dienstleisters, zeigt erhebliche Verbesserungen, doch verbleibt immer noch viel Handlungsbedarf. Je kleiner die Unternehmen sind, desto höher ist der Handlungsbedarf. Über die sozialen Medien erhöhen die Großunternehmen den Wettbewerbsdruck um die besten Talente. "Die Schere zwischen Großunternehmen und Mittelstand geht weiter auf", so Prof. Dr. Walter Gora von der Cisar GmbH, die für ADP die Erhebung der Daten und Auswertung des Index durchführt.

Der ASMI ist um 10 Indexpunkte auf 136 gegenüber dem Ausgangswert 2012 von 100 Punkte gestiegen. Aus Sicht von Prof. Dr. Walter Gora ist damit eine stärkere und insbesondere professionellere Nutzung der sozialen Medien für die Personalbereiche eindeutig erkennbar.

Bei 61 (letzte Erhebung 06/2014: 56) Prozent der Unternehmen soll der Einsatz von Social Media zunehmen, bei 38 (44) Prozent bleibt er gleich. Es sind also nicht nur mehr Unternehmen, die in soziale Medien investieren wollen, sondern die Investitionen erfolgen auch gezielter in Bezug auf die einzelnen sozialen Medien. Der sog. ASMI-Prognose-Index macht die Investitionsbereitschaft für das 1. Halbjahr 2015 mit einem hohen Anstieg von 30 Punkten transparent.


Die Finanz-/Versicherungsbranche führt bei der Nutzung der sozialen Medien, doch mit 40,5 Prozent der maximal möglichen Punkte ist auch in dieser Branche noch viel Verbesserungspotential vorhanden. Knapp dahinter liegen der Groß- und Einzelhandel und die IT/Telekommunikation. Es ist erstaunlich, dass die Unternehmen trotz des herrschenden Fach- und Führungskräftemangels die Möglichkeiten der Karrierewebseiten und der sozialen Medien für die Rekrutierung noch relativ wenig nutzen. Die Unternehmen geben weiterhin an, dass soziale Medien am meisten für die Rekrutierung genutzt werden.

Der ADP Recruiting Prognose-Index zeigt hingegen einen schwachen Anstieg von 4 Indexpunkten für das 1. Halbjahr 2015, nachdem im letzten Halbjahr die Investitionen mit 7 Indexpunkten moderat angestiegen sind. Für die Rekrutierung wird mit 97 (letzte Erhebung 06/2014: 96) Prozent am häufigsten die Unternehmenswebseite genutzt, gefolgt von Xing mit 67 (65) und LinkedIn mit 64 (64) Prozent.


Großunternehmen haben vergleichsweise bereits einen guten Stand erreicht. Der Index ist auf hohem Niveau um weitere 17 (2) Indexpunkte gestiegen. Das Wachstum erfolgte vorwiegend durch den breiteren Umfang des Social Media-Einsatzes sowie qualitativ mehr und besseren HR-Informationen.

Auch bei den mittleren Unternehmen ist vor allem eine qualitativ bessere Nutzung der sozialen Medien im HR-Bereich festzustellen, was sich im Anstieg von 13 (20) Indexpunkten widerspiegelt. Der Index für die Kleinst- und Kleinunternehmen ist seit der letzten Erhebung mit 29 (46) Indexpunkten erneut sehr stark gestiegen. Diese Unternehmen konzentrieren sich weiterhin auf die Karrierewebseite und nutzen die sozialen Medien noch sehr wenig. Der Rückstand auf die größeren Unternehmen zur Steigerung der Attraktivität als Arbeitgeber und zur Rekrutierung ist weiterhin beträchtlich und es besteht immer noch hoher Nachholbedarf.

Dies gilt auch für die Branche der öffentlich-rechtlichen Institutionen und Behörden, die in absoluten Zahlen immer noch weit hinter den anderen Branchen liegen, aber mit einem starken Anstieg von 19 (6) Indexpunkten am meisten zugelegt haben.

Prof. Dr. Walter Gora (Cisar) weist darauf hin: "Die zum Teil irrationalen Ängste von echten und vermeintlichen Datenschützern in der Vergangenheit sind mittlerweile einer sachlichen Bewertung der Vorteile und des Nutzens von sozialen Medien gewichen." Insbesondere Behörden in strukturschwachen Regionen, die über Personalmangel und geringe Attraktivität im Bewerbermarkt klare, nutzen immer professioneller die sozialen Medien als Ansprache und zur Bindung von potenziellen Mitarbeitern. Der Behördenbereich steht branchenmäßig zwar noch immer am Schluss der ASMI-Rangliste, aber er hat zuletzt sehr stark aufgeholt und die Nutzung seit 2012 nahezu verdoppelt.

Der ADP Social Media Index wird seit Mitte 2012 in einem Abstand von sechs Monaten erhoben. Die Daten von rund 250 Unternehmen werden in der Auswertung berücksichtigt. Das gibt HR-Verantwortlichen die Möglichkeit, ihre strategische Planung entsprechend der identifizierten Entwicklungen, Trends und Prognosen auszurichten.

Der sich weiterhin zuspitzende Fach- und Führungskräftemangel am deutschen Arbeitsmarkt erzwingt von den Unternehmen eine aktivere Nutzung der sozialen Medien und eine stärkere Präsenz, um ihre Attraktivität als Arbeitgeber zu zeigen. Der Markt hat sich von einem angebotsorientierten Stellenmarkt zu einem nachfrage-orientierten Bewerbermarkt entwickelt. Ohne eine professionelle Nutzung der sozialen Medien sind die meisten Unternehmen im Arbeitsmarkt nicht mehr ausreichend wettbewerbsfähig. Dies haben zwar bereits viele Unternehmen erkannt, doch ist die Umsetzung in vielen Unternehmen noch mangelhaft erfolgt.

Die aktuelle wirtschaftliche Situation verschärft den Fach- und Führungskräftemangel weiter und es ist in den nächsten Jahren aufgrund der demographischen Entwicklung keine Entwarnung zu erwarten. Diesen Herausforderungen kann durch den Einsatz von elektronischen Medien wie dem Aufbau von Karrierewebseiten und der Nutzung der sozialen Medien im HRM begegnet werden. Diese Medien unterstützen das Employer Branding bei der Schaffung einer attraktiven Arbeitgebermarke und die Rekrutierung von Fach- und Führungskräften. Die Unternehmen haben das Potenzial der sozialen Medien erkannt und wollen im 1. Halbjahr 2015 stärker investieren. Ein professioneller Auftritt auf der Unternehmenswebseite und den sozialen Medien ist für die erfolgreiche Ansprache und Gewinnung von potentiellen Mitarbeitern und zur Mitarbeiterbindung von zentraler Bedeutung.

Mit der eigenen Social Media-Strategie für den HR-Bereich tun sich die Unternehmen immer noch schwer. Auch wenn sich der Anteil der Unternehmen mit einer HR-bezogenen Social-Media-Strategie in den letzten 6 Monaten um 6 Prozentpunkte erhöht hat, haben nur 35% (29) der Unternehmen eine Strategie definiert. 33 Prozent planen dies bzw. haben eine Strategie in Arbeit und 32 (46) Prozent sehen hierfür keinen Bedarf.

Kununu setzt sich bei den Arbeitgeber-Bewertungsplattformen weiter durch und erreicht mit 84 (84) Prozent die höchste Bewertung. Doch auch Kununu wird von den Unternehmen immer noch wenig aktiv genutzt, d.h. es fehlen weitgehend Firmenprofile, HR-Informationen und Jobangebote. Dies, obschon die Arbeitgeber-Bewertungsseiten insbesondere von den jüngeren Bewerbern nahezu durchgängig genutzt werden.

Bei der Nutzung der sozialen Medien im HR-Bereich stehen die Plattformen Kununu, YouTube, Xing und Facebook weiterhin an der Spitze, werden aber immer noch relativ wenig bzw. qualitativ schlecht genutzt. Defizite bestehen vor allem im Bereich der Rekrutierung und der Stärkung der Arbeitgebermarke. Prof. Dr. Walter Gora (Cisar) weist darauf hin, dass beispielsweise über Twitter HR-Informationen und Stellenangebote gestreut sowie auf YouTube HR-Videos angeboten werden könnten, die erfahrungsgemäß die Arbeitgeberattraktivität deutlich erhöhen.

 

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Aufgrund des laufend steigenden Index scheint es, dass die Unternehmen die sozialen Medien gut nutzen. Doch bei genauerem Hinsehen besteht noch viel Handlungsbedarf. Der ASMI gibt den Unternehmen gute Hinweise, wo man sich noch verbessern kann.
Veröffentlicht am 30.01.15 08:38.
Der Trend zur stärkeren Nutzung von sozialen Medien ist entgegen der Meinung vieler überhaupt noch nicht gebrochen. Der noch bestehende Handlungsbedarf wird diesen Trend noch für einige Zeit aufrechterhalten.
Veröffentlicht am 03.02.15 09:47.