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Demokratische Unternehmen - Chancen und Herausforderungen

In manchen Start-ups sind demokratische Entscheidungen üblich - die Mehrheit entscheidet. Für große Unternehmen gehen mit einem solchen Führungsmodell Herausforderungen, aber ebenso Chancen einher.

An wichtigen Entscheidungen teilhaben, selbst mitentscheiden: Das wünscht sich die Mehrheit der Beschäftigten hierzulande. Eine repräsentative Umfrage der Technischen Universität München (TUM) unter rund 1.000 Deutschen zeigt, dass etwa zwei Drittel der Befragten sich eine demokratischere Führung im Unternehmen wünscht. Die Mehrzahl findet die Vorstellung, beispielsweise den eigenen Chef zu wählen, attraktiv. Gleiches gilt für die Mitbestimmung bei der Firmenstrategie. Die Befragten schätzen es aber als wenig realistisch ein, dass sich diese Wünsche erfüllen.

Dass ein demokratisches Unternehmen keineswegs einfach umzusetzen ist - vor allem bei großen Unternehmen -, darauf lassen die Ergebnisse einer weiteren TUM-Studie schließen. Dazu befragten die Wissenschaftler 45 Führungskräfte. Viele Merkmale einer demokratischen Arbeitsorganisation schätzen die Führungskräfte als schwer realisierbar ein. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn Mitarbeiter für demokratische Entscheidungen betriebliche Daten wie beispielsweise Gehälter einsehen müssten.

Herausforderungen demokratischer Entscheidungen im Unternehmen

Was sich in Start-ups und kleineren Betrieben durchaus umsetzen beziehungsweise ausprobieren lässt, stellt größere Organisationen vor Herausforderungen.

  • Flexibilität ist gefragt: Wer Beschäftigte an Entscheidungen beteiligen möchte, sollte flexibel und agil aufgestellt sein. Alleine die Entscheidungsprozesse mit Beteiligung von vielen Mitarbeitern erfordern Flexibilität. Starre Firmenstrukturen wirken sich eher kontraproduktiv aus.

  • Dauer von Entscheidungsprozessen: Je nachdem, wie umfangreich die Gruppe beteiligter Mitarbeiter an einem Entscheidungsprozess ist, kann sich dieser in die Länge ziehen. Unterschiedliche Auffassungen bei der Entscheidungsfindung können darüber hinaus zu einer Verzögerung führen.

  • Ergebnis von Entscheidungen: Werden Mitarbeiter demokratisch an unternehmerischen Entscheidungen beteiligt, besteht die Möglichkeit, dass Entscheidungen nicht unbedingt und zu 100 Prozent im unternehmerischen Sinne ausfallen. Damit müssen Unternehmen und Verantwortliche umgehen beziehungsweise im Zweifel eingreifen. Und: Es bleibt die Frage der Verantwortung. Wer übernimmt diese im Falle von Fehlentscheidungen?

Chancen demokratischer Entscheidungen im Unternehmen

So groß die Herausforderungen auch sind: In großen Organisation lassen sich die Chancen demokratischer Entscheidungen mit Einschränkung nutzen. Eine Beteiligung an strategischen und unternehmerischen Entscheidungen auf Bereichs- oder Abteilungsebene scheint durchaus umsetzbar. Die Chancen, die damit verbunden sind:

  • Innovationskraft: Unternehmen gelten oftmals als innovativer, wenn sie Mitarbeiter an Entscheidungen beteiligen. Haben Beschäftigte das Gefühl, sie können mit ihrer Stimme etwas bewirken und das Unternehmen dadurch nach vorne bringen, sind sie motivierter. Dies wirkt sich nicht nur auf die Innovationskraft aus, sondern kann ebenso die Produktivität steigern.

  • Qualität von Entscheidungen: Das demokratische Unternehmen ist kein Garant für bessere Entscheidungen. Aber: Das Einbeziehen von Mitarbeitern kann neue Perspektiven schaffen und Alternativen innerhalb eines Entscheidungsprozesses aufzeigen.

  • Arbeitgeberwirkung: Oftmals suchen Bewerber nach Unternehmen, bei denen sie sich mit einbringen können. Unternehmen mit demokratischen Entscheidungsprozessen können im Sinne einer positiven Außenwirkung potenzielle Kandidaten von sich überzeugen.

Weiterführende Informationen zum Thema:

Dieser Beitrag wurde erstellt von Sven Lechtleitner.

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