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Sabbaticals: Gibt es ein Recht auf Auszeit?

Viele Arbeitnehmer kennen das: Gerade hat man sich an die Urlaubstage gewöhnt, sind sie schon wieder vorbei. Einmal längerfristig abschalten, auf andere Ideen kommen oder ein größeres privates Projekt angehen - das ist oftmals kaum drin. Sabbaticals bieten diese Möglichkeit und können auch dem Arbeitgeber nutzen. Einen gesetzlichen Anspruch darauf haben die meisten Beschäftigten aber nicht.

Auszeiten sind beliebt, aber noch selten

Der Bedarf ist da: Viking, ein Anbieter von Bürobedarf, befragte 514 Arbeitnehmer zum Thema, von denen sich 87 Prozent ein Sabbatical vorstellen konnten. Ob gesetzlich garantierte Sabbaticals ein Modell für Deutschland sein könnten, untersuchten Wissenschaftler des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB). In ihrer Studie kamen sie zu dem Ergebnis, dass ein finanziell und sozial abgesicherter Rechtsanspruch dazu beitragen könnte, die Nutzungsquote für Sabbaticals in Deutschland zu erhöhen. Derzeit bietet nur einer von zehn Betrieben diese Möglichkeit an. Andrea Nahles (SPD) wagte als Bundesarbeitsministerin in der vergangenen Legislaturperiode einen entsprechenden Vorstoß für eine gesetzliche Regelung. Im neuen Koalitionsvertrag ist davon aber keine Rede mehr.

Sabbaticals haben eine wichtige familien- und sozialpolitische Funktion, heißt es beim WZB weiter. Sie können trotz des erhöhten Organisationsaufwands aber auch für die Arbeitgeber Vorteile bringen. Das sehen diese ähnlich: Wie eine aktuelle Personalleiterbefragung von Randstad zeigt, stehen 82 Prozent der Unternehmen einem entsprechenden Gesetzesvorschlag positiv bis neutral gegenüber. Sie versprechen sich von einer längeren Auszeit vor allem motiviertere Mitarbeiter und neue persönliche oder professionelle Kompetenzen, die diese nach ihrer Rückkehr in den Job einbringen.

Sabbaticals sind oft Verhandlungssache

Auch wenn es noch keinen gesetzlichen Anspruch auf ein Sabbatical gibt, kann ein solcher auf vertraglicher Ebene bestehen, schreibt das Staufenbiel-Institut: "Grundlage dafür ist neben dem Arbeitsvertrag in der Regel eine Betriebsvereinbarung oder ein Tarifvertrag." Insbesondere größere Unternehmen würden zunehmend Sabbatical-Modelle auf diese Weisen anbieten. Arbeitgeber und Arbeitnehmer können und sollten zudem eine gesonderte Vereinbarung abschließen, auch wenn es bereits anderweitige entsprechende Regelungen gibt. Darin sollten wichtige Eckpunkte geregelt werden, etwa die Dauer der Auszeit, das gewählte Modell (siehe weiter unten) und eine Regelung, wie nach der Rückkehr in den Job verfahren wird.

Arbeitsrechtler Ulf Weigelt weist in der Zeit darauf hin, dass für Arbeitnehmer auch ein Anspruch auf ein Sabbatical gegenüber ihrem Arbeitgeber aus Gleichbehandlungsgründen entstehen kann, wenn dieser bereits anderen Mitarbeitern eine solche Auszeit gewährt hat. Das treffe allerdings nur zu, wenn die Mitarbeiter und ihre Tätigkeiten auch vergleichbar seien.

Etwas andere Spielregeln gelten für Beamte, Angestellte im öffentlichen Dienst sowie Lehrer, berichtet das Portal sabbatjahr.org. In allen 16 Bundesländern gibt es für diese Gruppen klare Regelungen zum Sabbatjahr. Ein Grund für diese Entwicklung sei das Überangebot an Lehrern in den 1980er-Jahren gewesen. Das habe dazu geführt, dass das Sabbatjahr "gern vergeben" wurde.

Verschiedene Modelle bieten Flexibilität

Wie ein Sabbatical konkret ablaufen soll, können Arbeitgeber und Arbeitnehmer in weiten Teilen selbst miteinander vereinbaren. In der Praxis haben sich einige praktikable Modelle herauskristallisiert, erklärt der Berufsverband der Rechtsjournalisten. Eine Möglichkeit ist das Teilzeitmodell: Dabei wird ein Teilzeitvertrag abgeschlossen, aber weiterhin in Vollzeit gearbeitet, ohne dafür Lohn zu erhalten. Die Überstunden sammelt der Arbeitnehmer auf einem Arbeitszeitkonto an, das er dann für seine Freistellung nutzt, während der er weiterhin Gehalt bezieht. Ebenso denkbar ist, über einen Zeitraum hinweg mehr als bisher vereinbart zu arbeiten und auf diese Weise Überstunden anzusammeln. Dabei sind aber besonders die Regelungen des Arbeitszeitgesetzes zu beachten. In Unternehmen mit Langzeitarbeitskonten besteht oft ebenfalls die Möglichkeit, Überstunden oder Urlaubstage für eine spätere Nutzung anzusammeln.

"Die einfachste Form, ein Sabbatical zu ermöglichen, ist unbezahlter Sonderurlaub",schreibt das Staufenbiel Institut. Für den Arbeitgeber ist es einfacher zu vereinbaren, für den Arbeitnehmer ergeben sich aber gewisse Risiken: Privat Krankenversicherte verlieren in der Regel den gesetzlich vorgeschriebenen Arbeitgeberzuschuss zu ihrer Krankenversicherung. Für gesetzlich Krankenversicherte, die länger als einen Monat unbezahlt freigestellt sind, muss der Arbeitgeber keine Sozialversicherungsbeiträge mehr leisten.

Fazit

Länder wie Dänemark, Schweden oder Belgien haben bereits Erfahrungen mit gesetzlich garantierten Sabbaticals gesammelt. Das WZB hat die Systeme untersucht, und kam zu einem kurios anmutenden Ergebnis: Die Nutzer bewerteten das Sabbatical als sehr positiv. Trotzdem wurden die Systeme allesamt wieder eingestellt oder eingeschränkt. Gründe dafür waren jedoch Budgetkürzungen oder das (verfehlte) Ziel, damit die Quote an Langzeitarbeitslosen senken zu wollen.

Ob gesetzlicher Anspruch oder nicht: Arbeitgeber sollten sich mit dem Instrument auseinandersetzen und prüfen, ob sie es ihren Beschäftigten anbieten können und wollen. Sie müssen zwar die Fachkraft, ihre Kompetenz und ihr Wissen in der Auszeit ersetzen, schreibt Dr. Alexander Böhne von der Bundesvereinigung der deutschen Arbeitgeberverbände in einem Beitrag für die Leibniz-Gemeinschaft. Freiwillige Sabbatical-Angebote seien trotzdem "personalpolitisch interessant", da sie ermöglichen, die Mitarbeiterbindung an das Unternehmen zu stärken.

Dieser Beitrag wurde erstellt von David Schahinian.

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