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Wie lassen sich Mitarbeiter zu mehr Arbeitgeber-Empfehlungen motivieren?

Die beste Werbung für einen Arbeitgeber ist immer noch die, die von den eigenen Mitarbeitern und aus vollem Herzen kommt. Wer ein Unternehmen kennt, gerne dort arbeitet und seine eigene Reputation für den Betrieb in die Waagschale wirft, gilt gemeinhin als besonders glaubwürdig. Eben auch, weil sich eine solche Äußerung nicht erzwingen lässt - ein wenig nachhelfen geht aber schon.

Erst interne Defizite beheben

Grundvoraussetzung für ein Unternehmen ist, dass es auch Pfunde hat, mit denen es wuchern kann. Dass daran bereits viele scheitern, zeigt eine Studie der Jobplattform Stepstone. Bei einer Befragung von rund 25.000 Fach- und Führungskräften in Deutschland kam heraus, dass nur 20 Prozent von ihnen ihren Arbeitgeber uneingeschränkt weiterempfehlen würden. Weitere 40 waren dazu immerhin unter Vorbehalt bereit. Ein Hauptgrund für diese mäßigen Quoten ist, dass sich nur vier von zehn Mitarbeitern mit der Unternehmenskultur ihres aktuellen Arbeitgebers identifizieren.

Bevor sich das Management und die Personalabteilung also Gedanken darüber machen, wie sich Mitarbeiter zu mehr Arbeitgeber-Empfehlungen motivieren lassen, sollten sie sich zunächst einmal vergewissern, welche internen Defizite bestehen, und diese beheben. Andernfalls besteht das Risiko, dass der Schuss nach hinten losgeht. Plattformen wie Kununu und Glassdoor beziehen ihren Reiz unter anderem daraus, dass potenzielle Bewerber nicht nur Positives, sondern auch Negatives aus dem Dunstkreis der Unternehmen erfahren. Passiert das, sollten diese den Kopf nicht in den Sand stecken. Für Interessierte sei es nämlich auch interessant, zu sehen, wie Fragen behandelt und wie ernst Feedback genommen wird, heißt es bei Kununu.

Prämien und Programme

Für die Studienautoren von Stepstone ist klar: "Die geringe Bereitschaft zur Weiterempfehlung ist für Unternehmen ein klarer Nachteil im Wettbewerb um gute Mitarbeiter." Ein erster Tipp zur Steigerung der Empfehlungsrate ist gleich auf der eigenen Website zu finden: Wöchentlich werden Preise für Arbeitgeber-Empfehlungen verlost, monatlich wählt eine Jury die hilfreichste aus und belohnt sie mit einem Sonderpreis. Hier werden allerdings die Besucher der Plattform angesprochen, nicht (nur) die eigenen Mitarbeiter.

Trotzdem können nach diesem Vorbild auch intern Anreize für die Mitarbeiter gesetzt werden, sich aktiver für ihren eigenen Arbeitgeber einzusetzen. Entsprechende Programme, die oft auch auf die direkte Anwerbung von Mitarbeitern durch Mitarbeiter setzen und dafür Prämien ausloben, sind allerdings ein zweischneidiges Schwert. Sind die Prämien zu hoch, könnten sie einen Anreiz darstellen, auch einen flüchtigen Bekannten zu empfehlen, schreibt Ingrid Weidner auf computerwoche.de. Zudem gelte es, einem eventuellen Verdacht von Vetternwirtschaft schon von Beginn an entgegenzutreten. Einen ausführlichen Bericht über alles Wissenswerte zu Mitarbeiterempfehlungsprogrammen hat Stefan Scheller verfasst.

Content, der die Mitarbeiter mitreißt

Business Coach Anne M. Schüller hat weitere Empfehlungen parat. So sollten Arbeitgeber für positiven Gesprächsstoff sorgen, frei nach dem Motto: Tue Gutes und rede darüber. Dies können gute Resultate oder Erfolgsgeschichten sein, die "gut behalten und gerne weitererzählt" werden und nicht zuletzt Energien freisetzen. Wer über die nötigen Ressourcen verfügt, kann einen Content-Pool aufbauen, aus dem sich fortlaufend schöpfen lässt. Darüber hinaus rät sie zur Entwicklung einer Content-Strategie. Ziel sei es, "Interesse zu wecken, Vertrauen aufzubauen und die anvisierten Zielgruppen an die Arbeitgebermarke heranzuführen".

Viele Probleme von Unternehmen können oftmals die eigenen Angestellten lösen, schreibt Markus Mensch von der Mplus Agentur. Das gilt auch für die Besetzung von Stellen oder die Schärfung des Employer Brandings. Er rät Arbeitgebern unter anderem dazu, ein "Wir-Gefühl" zu erzeugen, indem sie ihre Mitarbeiter beispielsweise bei Weiterbildungen unterstützen. Einen Seitenhieb auf die Personaler kann sich der Marketing-Fachmann nicht verkneifen: In vielen Betrieben liege die interne PR-Arbeit in den Händen der HR-Abteilung und werde vernachlässigt oder nicht einmal beachtet: "Für uns PR-Fachleute ist dies ein trauriger Anblick, wenn man das große Ganze im Auge hat."

Fazit

Ohne Authentizität geht es nicht. Sind die eigenen Mitarbeiter unzufrieden, können sie auch die besten Motivationsstrategien nicht zur Abgabe von Arbeitgeber-Empfehlungen bringen - höchstens zur öffentlichen und damit kontraproduktiven Kritik. Ist das Binnenklima jedoch gut, können schon Gespräche in der Kaffeeküche, kleine Anreizprogramme oder eine zielgerichtetere interne Kommunikation zu mehr positiven Arbeitgeberbewertungen führen. Die Arbeit lohnt sich, denn die Empfehlungen sind insbesondere beim Wettbewerb um Talente Gold wert.

Dieser Beitrag wurde erstellt von David Schahinian.

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