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Gescheiterte Mitarbeiterbindung? Warum Auszubildende hinschmeißen

Die Tendenz am Ausbildungsmarkt entwickelt sich positiv - zumindest für Bewerber. Ausbildungsbetriebe kämpfen hingegen mit unbesetzten Stellen und hohen Abbrecherquoten. Doch die Gründe für Ausbildungsabbrüche liegen nur teilweise in der Verantwortung von Unternehmen.

Die Berufsausbildung bleibt für viele junge Menschen der Einstieg in das Arbeitsleben - auch wenn die Hochschulausbildung in den vergangenen Jahren deutlich an Bedeutung gewonnen hat. Für Bewerber um Ausbildungsstellen stellt sich die Situation am Arbeitsmarkt positiv dar. Die Zahl der Ausbildungsangebote liegt über der Anzahl der Suchenden. Für Unternehmen hingegen gestaltet sich die Azubi-Suche zunehmend als Herausforderung. Die Zahl der unbesetzten Ausbildungsstellen stieg 2017 auf knapp 49.000 an. Gleichzeitig gingen 24.000 Bewerber leer aus. Das zeigt der Berufsbildungsbericht 2018 des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) zum Stichtag 30.09.2017.

Jeder vierte Azubi bricht ab

Überraschend hoch ist die Zahl der Ausbildungsabbrüche. Im Jahr 2016 wurden 25,8 Prozent der Ausbildungsverträge vorzeitig gelöst. Der Wert ist im Vergleich zum Vorjahr um knapp ein Prozent angestiegen. Damit liegt er über dem langjährigen Schwankungsbereich von 20 bis 25 Prozent. Eine vorzeitige Vertragslösung bedeutet aber nicht zwangsläufig das Ende der Berufsausbildung. Statistisch zählt dazu ebenso der Wechsel des Ausbildungsbetriebes - beispielsweise bei Betriebsschließungen - oder des Ausbildungsberufes. Für diese Lehrlinge geht der berufliche Qualifizierungsprozess weiter. "In vielen Fällen - etwa der Hälfte - lösen junge Menschen den Vertrag, um ihre Lehre an anderer Stelle oder in einem anderen Beruf fortzusetzen", sagt Bildungsministerin Anja Karliczek zur Debatte über vermeintliche Abbrecherquoten von mehr als 25 Prozent. "Die Quote der echten Ausbildungsabbrüche liegt vielmehr bei etwa 12 bis 13 Prozent und damit deutlich unter der Quote im Hochschulbereich." Es sei keine Frage, dass es auch hier Handlungsbedarf gebe.

Unabhängig von der konkreten Abbrecherquote: Die Vertragslösungen variieren stark zwischen einzelnen Ausbildungsberufen. So scheint es teilweise einen Zusammenhang mit geringer Attraktivität bestimmter Berufe und ihren Ausbildungskonditionen zu geben, heißt es im Berufsausbildungsbericht 2018. Bei Fachkräften für Schutz und Sicherheit sowie Restaurantfachleuten bricht jeder Zweite ab. Bei Fertigungsmechanikern und Medienkaufleuten für Digital und Print liegt die Abbrecherquote gerade einmal bei 7,8 und 7,5 Prozent.

Vergütung spielt eine Rolle

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) sieht vor allem zu geringe Vergütung als einen Grund an. "Dort wo die Vergütung besonders niedrig ist, sind die Abbrecherquoten extrem hoch", sagt Elke Hannack , stellvertretende Vorsitzende des DGB. "Im Friseurhandwerk starten pro Jahr im Schnitt etwas mehr als 10.000 Jugendliche ihre Ausbildung, aber nur gut 5.000 Azubis absolvieren letztlich die Prüfung." Die im Koalitionsvertrag enthaltene Mindestvergütung für Azubis könne ein wirksames Instrument gegen Ausbildungsabbrüche sein.

Doch die Vergütung ist nur ein Grund für Abbrüche. Der Datenreport zum Berufsbildungsbericht 2018 des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) verweist auf verschiedene Studien, die Gründe für vorzeitig gelöste Verträge anführen: Konflikte mit Ausbildern, mangelnde Ausbildungsqualität und ungünstige Arbeitsbedingungen. Gründe - eher gering ausgeprägt - seien ebenso persönlicher und gesundheitlicher Hinsicht sowie falsche Berufsvorstellungen.

Fazit

Das bedeutet für Ausbildungsbetriebe: Im Vorfeld bestmöglich über die Ausbildungsinhalte aufklären, beispielsweise an Schulen. Die Ausbildung möglichst attraktiv - also abwechslungsreich und interessant - gestalten. Und: Ratsam ist eine strukturierte Onboarding-Phase, die Auszubildende vom ersten Tag an direkt in das Unternehmen integriert.

Weiterführende Informationen zum Thema:

Dieser Beitrag wurde erstellt von Sven Lechtleitner.

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