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Wie wirkt sich die Digitalisierung auf die Gesundheit der Arbeitnehmer aus?

Die Digitalisierung prägt die heutige Arbeitswelt. Prozesse zeigen sich komprimierter, Tätigkeiten gestalten sich digitaler. Was einerseits Vorteile verspricht, kann andererseits Stress verursachen.

In Unternehmen ist die Digitalisierung längst angekommen. Den Wandel der Arbeitswelt bemerken Beschäftigte oftmals in ihrem Tätigkeitsfeld. So sind sie häufig mit steigender Informationsflut, ständiger Erreichbarkeit und erhöhter Arbeitsbelastung konfrontiert. Unternehmen und Mitarbeiter gleichermaßen müssen sich damit auseinandersetzen. Welche Auswirkungen die fortschreitende Digitalisierung auf die Gesundheit von Beschäftigten hat, dazu hat die AOK Niedersachen das Innovationsprojekt "Gesundheit in der Arbeitswelt 4.0" initiiert. Das Ziel: Das betriebliche Gesundheitsmanagement (BGM) flexibel und zukunftsfähig gestalten. "Nur wenn wir verstehen, welche Veränderungen die Digitalisierung bei den Menschen hervorruft, können wir Einfluss auf ihre Gesundheit nehmen", sagt Dr. Jürgen Peter, AOK-Vorstandsvorsitzende.

Informationsflut und Erreichbarkeit

In erster Linie soll digitale Kommunikation die Arbeit erleichtern. Doch was für die einen ein Segen ist, kann sich für andere als Fluch entpuppen. Die Studie "Renaissance des Analogen" der Unternehmensberatung EY zeigt: 47 Prozent der 800 befragten Fach- und Führungskräfte sind der Ansicht, dass die beständig fortschreitende Digitalisierung in der Arbeitswelt für sie eher Stress als eine Bereicherung ist. Jeder Zweite empfindet die ständige Erreichbarkeit durch digitale Medien als ein Abhalten von intensivem Denken. Steigende Stressbelastung durch digitale Medien beklagen 40 Prozent der Befragten.

Höhere Arbeitsbelastung, weniger Zeit

Für den Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) sind Digitalsierungsprozesse in vielen Unternehmen oftmals mit erhöhter Arbeitshetze verbunden. Das zeigt die Sonderauswertung »Digitalisierung und Arbeitsintensivierung« des DGB-Index Gute Arbeit. Demnach empfinden 46 Prozent der Beschäftigten eine Zunahme ihrer Arbeitsbelastung, nur neun Prozent nehmen eine Verringerung wahr. Mehr als die Hälfte gibt an, dass die zu bewältigende Arbeitsmenge durch die Digitalisierung gestiegen ist. Für viele nimmt ebenfalls der Zeitdruck mit steigendem Digitalisierungsgrad zu. Annelie Buntenbach, DGB-Vorstandsmitglied, sagt: "Die Ergebnisse zeigen, dass Digitalisierung Arbeit nicht automatisch besser macht. Psychische Erkrankungen bewegen sich seit Jahren auf einem erschreckend hohen Niveau." Für den DGB stehe außer Frage, dass schlecht organisierte Arbeit ein entscheidender Stressfaktor sei und die Gesundheit der Beschäftigten beeinträchtige.

Digitale Mediennutzung

Wohl dosiert kann Stress zwar eine positive Wirkung haben. Wird dieser jedoch zum Dauerzustand, können sich Mitarbeiter ausgepowert und überfordert fühlen. Fehlzeiten- und Gesundheitsreport von Krankenkassen belegen die Zunahme stressbedingter Krankschreibungen sowie psychischer Erkrankungen. Wie gestresst Deutschland ist, hat die Techniker Krankenkasse in der TK-Stressstudie zuletzt 2016 untersucht. Wesentliche Stressfaktoren sind angeführt vom Job unter anderem auch hohe Ansprüche an sich selbst, Termindichte in der Freizeit sowie ständige digitale Erreichbarkeit. Letztere meint insbesondere die Erreichbarkeit für den Job - nach Feierabend oder im Urlaub. Doch auch die Kombination aus digitaler Mediennutzung im Beruf wie zusätzlich im Privaten kann zu Stress führen. Die TK-Stressstudie merkt an, dass die Nutzung soziale Medien im Alltag dazu führt, häufiger auf das Handydisplay zu schauen und immer wieder etwas zu posten. Die Autoren der Studie vermuten, dass dabei auch ein sozialer Druck entsteht, der Stress verursachen kann. Darüber hinaus zeigen die Befragungsdaten einen interessanten Zusammenhang. So sagen 56 Prozent der häufig gestressten Personen, dass Facebook und Co. für sie zum Alltag gehören. Bei selten oder nie Gestressten sind es nur 37 Prozent.

Dieser Beitrag wurde erstellt von Sven Lechtleitner.

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