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Sprachsteuerung: Welches Potenzial haben Voice Applications für HR?

Die Entwicklung ist nur durch die rasanten Fortschritte der letzten Jahre in der Spracherkennung möglich geworden: Zunehmend erobern Bots und Tools die private und berufliche Welt, die verstehen können, was man ihnen sagt - und anschließend entsprechende Aktionen ausführen. Auch im HR-Bereich können sie nützliche Dienste leisten. Eine gewisse Skepsis ist allerdings geboten.

Persönliche Assistenten erobern den Markt

Die Mutter von Alexa und Co. heißt Eliza. 1966 entwickelte der Informatiker Joseph Weizenbaum das Computerprogramm, um die Möglichkeiten und Grenzen einer Kommunikation zwischen Mensch und Maschine aufzuzeigen. Damals hielten sich die "Konversationen" noch in engen Grenzen. Heute sind viele Menschen gewohnt, ihrem Smartphone mittels Sprachsteuerung Befehle zu geben. Persönliche Helfer wie Alexa (Amazon), Cortana (Microsoft), Siri (Apple), Bixby (Samsung) oder der Google Assistant erleben einen Boom. Die Wirtschaftswoche schrieb gar schon von einer Audio-Revolution.

Die größten Vorteile solcher Assistenten, aber auch ihr gewichtigster Nachteil sind schnell aufgezählt. So können sie das Leben erleichtern, indem sie Aufgaben erledigen, während die Menschen ihre Hände und Köpfe für andere Dinge frei haben. Zudem erleichtern sie die Teilhabe für jene, die beispielsweise nicht gut sehen. In Kauf genommen wird das mit einer gewissen Preisgabe des Datenschutzes. So stellt sich bei vielen Anwendungen die Frage, wo die sprachliche Äußerung digitalisiert und entschlüsselt wird, und was mit den Daten geschieht. Das betrifft auch und vor allem Unternehmen. So hat Amazon mit Alexa for Business beispielsweise einen Service für das berufliche Umfeld gestartet.

Recruiting ist Vorreiter

Im HR-Bereich gibt es mittlerweile diverse mehr oder weniger erprobte Anwendungsfelder für Voice Applications. Von den neuen, mit künstlicher Intelligenz gestützten Technologien dürften sogenannte Chatbots im Recruiting derzeit die verbreitetsten sein. Unternehmen wie Bayer und Sixt setzen sie bereits ein. Für den Bewerber sind sie zu jeder Tages- und Nachtzeit erreichbar. Sind sie mit ausreichend Informationen unterfüttert, können sie potenziellen Kandidaten bereits zahlreiche Fragen beantworten, ohne dass ein Personaler sich darum kümmern müsste. Auf Unternehmensseite können durch entsprechende Fragen bereits Informationen über den Nutzer gewonnen werden, die für eine spätere Personalentscheidung wichtig sein könnten.

Derzeit funktioniert das Ganze in der Regel noch über Eingabefenster. Man muss jedoch kein Prophet sein - und Fachleute prognostizieren es bereits -, dass es mit den Fortschritten im maschinellen Lernen und der wachsenden Beliebtheit der persönlichen Assistenten bald immer mehr Chatbots geben wird, die auch über die Sprache mit den Kandidaten interagieren. So wie Vera beispielsweise. Mehr noch, der KI-Roboter sucht zuvor aus Datenbanken überhaupt erst potenzielle Kandidaten heraus und vereinbart mit ihnen Telefon- oder Videointerviews. Der Vorstoß sei interessant, urteilt man bei dem HR-Software-Unternehmen Wollmilchsau. Der Leistungsumfang halte sich jedoch noch in engen Grenzen. Immerhin könne "Vera einen kleinen, aber unter Umständen sehr zeitaufwendigen Teilprozess im Recruiting übernehmen".

Ähnliches gilt für Precire, das in einigen deutschen Unternehmen wie Talanx oder Randstad Deutschland bereits genutzt wird. Die Software hat nach Angaben des Entwicklers gelernt, "aus Kommunikation die Wirkungsweise, Emotionen und Eigenschaften eines Menschen vorherzusagen". So genügt ein rund 30-minütiges Gespräch, das ein Bewerber mit einem Computer führt, um ein vergleichsweise genaues Bild der Persönlichkeit entwerfen zu können. Die Ergebnisse sind Kundenaussagen zufolge überzeugend.

Weitere Einsatzmöglichkeiten

Der Clou an den populärsten persönlichen Assistenten ist, dass ihr Können durch zusätzliche Programmierung nahezu beliebig erweitert werden kann. Bei Alexa nennen sich diese Erweiterungen "Skills", also Fähigkeiten. Auch hier werden Personaler bereits fündig, zum Beispiel bei Web HR. Der Assistent kann beispielsweise Fragen nach der An- und Abwesenheit von Mitarbeitern oder nach statistischen Daten über die Belegschaft beantworten. Für neueste Informationen aus der HR-Welt auf Abruf gibt es bereits mehrere Skills, etwa HR News Flash, Understanding HR oder The HR Happy Hour Show.

Darüber hinaus entdecken immer mehr Jobbörsen den Markt der Spracherkennung. So bieten unter anderem bereits Jobstairs, stellenanzeigen.de und meinestadt.de ihre Dienste über Alexa an. Das betrifft HR zumindest indirekt, denn um eine hohe Sichtbarkeit, oder besser: Hörbarkeit zu erreichen, könnte es nötig sein, die Formulierung der Stellenanzeigen entsprechend zu optimieren.

Ausblick

Das Potenzial von Voice Applications für HR ist differenziert zu beurteilen. Bei einzelnen Routineaufgaben können sie künftig gute Dienste leisten - und machen es teilweise heute schon. "Insbesondere Sprachassistenten von Amazon, Google und Microsoft, die in einem umfassenden Ökosystem von Cloud- und IoT-Anwendungen eingebettet sind, bieten umfassende Möglichkeiten zum professionellen Einsatz", urteilte die Beratung PwC bereits 2017. Eine Umfrage von Jobstairs aus dem gleichen Jahr hat ergeben, dass man in vielen Unternehmen davon ausgeht, dass digitale Mensch-Maschine-Kommunikation bis 2020 deutlich zunehmen wird. Im Fokus stünden dabei Robot Recruiting und chatbotbasierte Kommunikation.

Bisher ist die technologische Entwicklung jedoch noch nicht so weit, dass sie komplexe Prozesse, von denen es im HR-Alltag zahlreiche gibt, komplett übernehmen könnte. Hinzu kommt insbesondere im Recruitingbereich, dass die Vorbehalte bei vielen potenziellen Bewerbern groß sein könnten, anstatt mit einem Menschen mit einer Maschine zu sprechen.

Dieser Beitrag wurde erstellt von David Schahinian.

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