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Minijobs versus Midijobs: Das sollten Sie wissen

Das im November 2018 beschlossene Rentenpaket der Bundesregierung beinhaltet auch bedeutende Änderungen bei den Midijobs: Es werden mehr Beschäftigte durch reduzierte Sozialversicherungsbeiträge entlastet, ohne Einbußen bei den Rentenansprüchen hinnehmen zu müssen. Der Blick auf die Zahlen zeigt aber, dass Minijobs immer noch sehr viel weiter verbreitet sind.

Minijob mit Maxi-Beiträgen für Arbeitgeber

Mini- und Midijobs wurden 2003 zeitgleich unter der Bundesregierung von Gerhard Schröder (SPD) eingeführt. "Ziel war es, den Arbeitsmarkt für geringfügig Beschäftigte flexibler zu machen und so neue Arbeitsplätze in diesem Segment entstehen zu lassen", berichtet die Bundeszentrale für politische Bildung. Mit der Zeit nahmen diese Beschäftigungsverhältnisse zu: Nach Daten der Bundesagentur für Arbeit waren 2017 insgesamt 7,8 Millionen Menschen in Minijobs tätig, 5,07 Millionen davon ausschließlich.

Definiert sind Minijobs laut § 8 SGB IV als Beschäftigungsverhältnisse, deren Arbeitsentgelt regelmäßig im Monat 450 Euro nicht übersteigt, oder die innerhalb eines Kalenderjahres auf längstens drei Monate oder 70 Arbeitstage "begrenzt zu sein pflegen". Grundsätzlich sind Minijobs für die Beschäftigten steuer- und abgabenfrei, sie zahlen keine Beiträge für die Kranken-, Arbeitslosen- oder Pflegeversicherung. Allerdings haben sie auch keinen Anspruch auf deren Leistungen. In der Rentenversicherung sind sie mit geringen Beiträgen pflichtversichert, doch können sie sich davon befreien lassen. Arbeitgeber entrichten laut Bundesagentur für Arbeit (BA) Pauschalbeiträge für "ihre" Minijobber, unter anderem für die Krankenversicherung. Die Abgaben liegen bei über 30 Prozent, was Minijobs für Unternehmen teurer macht als sozialversicherungspflichtige Arbeitsverhältnisse.

Midijob-Bereich wird Mitte 2019 ausgeweitet

Damit Minijobber bei Überschreiten der maßgeblichen Grenze nicht auf einen Schlag voll abgabenpflichtig werden, wurden flankierend die Midijobs eingeführt. Die Gleitzone reichte bislang von 450,01 Euro bis 850 Euro. Für Midijobber werden Beiträge zur gesetzlichen Sozialversicherung fällig, die jedoch vom Bruttoarbeitsentgelt abhängig sind und langsam ansteigen. Im Gegenzug erlangen die Beschäftigten den vollen Sozialversicherungsschutz. Der Arbeitgeber muss die vollen Beiträge zur Sozialversicherung abführen, erklärt der DGB, und auch vollständige Lohnunterlagen führen. Das Portal arbeitsvertrag.org weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass die Verwaltung eines Midijobs aufgrund der zahlreichen Sonderregelungen mit einem höheren Aufwand verbunden ist als bei anderen Arbeitsverhältnissen. Eine Begrenzung der Dauer des Beschäftigungsverhältnisses ist im Gegensatz zu den Minijobs nicht vorgesehen.

Da Beschäftigte so allerdings kaum hohe Rentenansprüche erwerben können, haben sie die Möglichkeit, den Beitrag für die Rentenversicherung aufzustocken. Hier setzt auch die jüngste Reform an: Die Gleitzone wird zur sogenannten Einstiegszone (auch: Übergangsbereich), die Verdienstgrenze von 850 auf 1.300 Euro ausgeweitet. Die Midijobber zahlen nach wie vor reduzierte Sozialversicherungsbeiträge, erwerben künftig aber die gleichen Rentenansprüche, als hätten sie den vollen Arbeitnehmeranteil in die Rentenversicherung einbezahlt.

Damit kommen künftig mehr Geringverdiener in den Genuss eines reduzierten Beitragssatzes. Blickt man aus einer anderen Perspektive darauf, heißt das, dass sich die Zahl der Midijobber von derzeit 1,3 Millionen mehr als verdoppeln wird, berichtet die Deutsche Handwerks Zeitung. Die Deutsche Rentenversicherung kritisiere dabei, dass nicht berücksichtigt werde, ob es sich bei den Midijobs um eine Vollzeit- oder Teilzeitstelle handele. So könnten auch Gutverdienende mit einem zusätzlichen Midijob als Nebentätigkeit von der Regelung profitieren. Den Sozialversicherungen entgingen dadurch rund 500 Millionen Euro jährlich.

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) Berlin kam unterdessen in einer Studie zu dem Ergebnis, dass durch die Midijob-Reform staatliche Mindereinnahmen von insgesamt rund 300 Millionen Euro entstünden. Sie entlaste zwar überwiegend untere und mittlere Einkommen, jedoch entfalle ein Drittel auch auf die obere Hälfte der erwerbstätigen Bevölkerung: "Insoweit ist die Reform nicht zielgerichtet auf die Entlastung von Haushalten mit niedrigen Einkommen zugeschnitten."

Dynamische Einkommensgrenzen wurden abgelehnt

Die Reform wird sicher nicht die letzte sein. Zwar haben geringfügige Beschäftigungsverhältnisse Vorteile für Arbeitgeber: So können sie mit ihnen beispielsweise flexibel Auftragsspitzen abfangen oder Mitarbeiter zunächst einmal kennenlernen, bevor sie ihnen später womöglich ein umfassenderes Jobangebot unterbreiten. Viele Kritiker würden die Beschäftigten aber lieber in regulären sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnissen sehen. Dass es weiterhin Änderungsbedarf gibt, zeigte im Sommer ein Vorstoß des Landes Nordrhein-Westfalen: Mittels eines Gesetzesantrags sollten die Einkommensgrenzen für Minijobs dynamisiert werden, da Minijobber durch den steigenden Mindestlohn immer weniger Stunden arbeiten können, bis sie die Entgeltgrenze erreichen. Der Vorschlag fand jedoch keine Mehrheit.

Dieser Beitrag wurde erstellt von David Schahinian.

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