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"Die Angst, loszulassen, sitzt tief"

Wenn einer weiß, wie sich Deutschlands Leader verändern müssen, dann Nils Schmidt. Der Arbeitsrechtler ist Vorstandsmitglied des Verbands "Die Führungskräfte" und leitet die DFK-Kompetenz GmbH, die Führungskräfte in ihrer Entwicklung unterstützt.

Personalwirtschaft: Herr Schmidt, was zeichnet Ihrer Meinung nach die Führungskraft der Zukunft aus?

Nils Schmidt: Mitarbeiter wollen heute Sinn in ihrer Tätigkeit sehen. Daher ist nicht nur Delegation ein Schlüssel moderner Führung, sondern auch die Fähigkeit, zu motivieren und Sinn zu stiften. Damit wird die Führungskraft in der Zukunft eher zu einer Art Coach, der Mitarbeiter entwickelt, Möglichkeiten skizziert, ohne direkt ins Geschehen einzugreifen, Verantwortung überträgt und somit Wertschätzung zeigt. In der Konsequenz bedeutet das, den Mitarbeitern Freiheiten zu geben, anstatt ihnen starre Grenzen zu setzen. Das verlangt viel Flexibilität von einer Führungskraft. Sie muss bereit sein, ihren Teammitgliedern zeitliche, örtliche und inhaltliche Freiheiten zu gewähren und Neues zu wagen. Die beste Führung ist die, die der Mitarbeiter überhaupt nicht wahrnimmt.

Womit tun sich Führungskräfte dabei erfahrungsgemäß besonders schwer?

Nils Schmidt: Die Angst, loszulassen und Kontrolle abzugeben, sitzt bei vielen tief. Sie befürchten, dadurch ihren Status aufzugeben und sich überflüssig zu machen.

Was können Führungskräftetrainings leisten?

Nils Schmidt: Solche Trainings sind natürlich kein Allheilmittel, doch an vielen Stellen hilfreich. Sie können informieren und verdeutlichen, wie wichtig es ist, gerade als Führungskraft mit der Zeit zu gehen. Das Arbeitsleben verändert sich immer schneller und der Zusammenhang zwischen dieser Veränderung und dem Führungsverhalten kann sehr gut veranschaulicht werden. Ebenso lassen sich die notwendigen Soft Skills in Trainings vermitteln.

Das klingt recht einfach. Aber das eigene Verhalten zu ändern, fällt bekanntlich schwer.

Nils Schmidt: Ja, bei all dem muss die Führungskraft die Fähigkeit und Bereitschaft mitbringen, die Änderung des Führungsverhaltens als notwendig zu erkennen. Das ist die Basis, damit Trainings funktionieren. Wenn eine alteingesessene Führungskraft sich dem - aus welchen Gründen auch immer - verweigert, wird man sie auch in einem Training oder Seminar nicht ändern können. Der Wille zur Umsetzung kommt von innen heraus und kann nicht erzwungen werden.

Was empfehlen Sie Führungskräften, die Veränderungsdruck spüren, aber nicht wissen, wo sie ansetzen sollen?

Nils Schmidt: Wir als Verband finden gerade hier professionelle Hilfe für eine Führungskraft extrem wichtig und betrachten sie als den richtigen Schritt. Daher bieten wir eine solche Unterstützung an, zum Beispiel durch einen Coach oder aber durch entsprechende Seminare. Es ist nicht ehrenrührig, Profis um Rat zu fragen.

Welche Rolle spielt HR dabei?

Nils Schmidt: Das kommt leider sehr auf den Einzelfall an, weil HR von Unternehmen zu Unternehmen völlig unterschiedlich aufgestellt ist. Es gibt Personalabteilungen, die sehr modern sind und ihre Führungskräfte bei der Ausübung der Tätigkeit unterstützen. Es gibt aber auch solche, die darin nicht ihre Aufgaben sehen, sondern sich lediglich um die Einhaltung von Regeln kümmern.

Wie funktioniert das Zusammenspiel zwischen HR und den Führungskräften Ihren Eindrücken zufolge in der Praxis?

Nils Schmidt: HR und Führungskräfte sehen sich oft nicht als ein gemeinsames Team, das an einem Strang zieht. Das mag an Kompetenz- oder Silodenken liegen, was aber auch völlig veraltet ist. So entstehen Friktionen und Reibungen, die Ressourcen kosten. Eigentlich sollten sich alle Mitarbeiter als ein Team sehen, das zusammen an einem gemeinsamen Ziel arbeitet.

Dieser Beitrag wurde erstellt von David Schahinian.

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