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Downshifting: So nutzen Sie das Potenzial von Arbeitszeitverkürzern

Überlastung, Selbstverwirklichung oder der Wunsch nach einer besseren Work-Life-Balance: Das sind nur drei von vielen möglichen Gründen, die für das Downshifting, die freiwillige Verkürzung der Arbeitszeit, sprechen. Arbeitgeber standen dem lange kritisch gegenüber - manche bis heute -, schließlich verzichten sie ungern auf ihre Leistungsträger. Das Modell kann aber beiden Seiten Vorteile bieten.

Arbeitszeitmodelle werden vielfältiger

Unternehmen haben es gerne verlässlich: Wer etwa 40 Stunden Vollzeit oder 20 Stunden Teilzeit in der Woche arbeitete und bei Bedarf auch einmal die eine oder andere Überstunde leistete, entsprach lange Zeit der Norm. Mittlerweile gilt dies nicht mehr ohne Weiteres. Eine Vier-Tage-Woche oder Sechs-Stunden-Tage sind in den Unternehmen längst keine Rarität mehr. Die Entwicklung könnte sich mit dem neuen Brückenteilzeitgesetz sogar noch beschleunigen. Es räumt Arbeitnehmern einen Anspruch auf eine zeitlich begrenzte Teilzeit mit anschließendem Rückkehrrecht in Vollzeit ein. Die Beratung Robert Half stellt in diesem Zusammenhang sogar schon die Frage, ob Teilzeit das Arbeitsmodell der Zukunft sei.

Wie Ron Mohr in seiner Diplomarbeit hervorhebt, wurde der gesellschaftliche Trend zum Downshifting in den 1990er-Jahren von dem Wirtschaftswissenschaftler und Gesellschaftskritiker Charles B. Handy angestoßen. Gleichzeitig betont Mohr, dass Arbeitgeber so gut wie keine Einflussmöglichkeit auf das Umsetzen eines Downshiftings haben - außer durch das Zulassen oder Verweigern einer Arbeitszeitreduzierung. Bei letzterem laufen sie jedoch Gefahr, den Arbeitnehmer ganz zu verlieren. Besser ist es, den Wunsch ernst zu nehmen: Wer die Bedürfnisse seiner Belegschaft wertschätzt und ihnen entgegenkommt, erhöht sowohl die Motivation als auch die Bindung der Mitarbeiter. Eine Arbeitszeitbefragung der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) bringt diesbezüglich recht eindeutige Ergebnisse: "Insbesondere bei der wöchentlichen Arbeitszeit klaffen Wünsche und Realität oftmals auseinander, wobei die meisten Beschäftigten die Arbeitszeit verkürzen möchten."

Bindung von Leistungsträgern

Zunächst einmal sollten sich Unternehmen bewusst machen, dass Downshifting auf eigenen Wunsch des Mitarbeiters geschieht, schreibt Thomas Friedenberger vom Staufenbiel Institut. Viele dieser Beschäftigten waren zuvor erfolgreich im Job. Für sie stehe Karriere jedoch nicht immer an erster Stelle, oder sie wollten das Gleichgewicht zwischen Arbeit und Privatleben wieder herstellen. Solche Leistungsträger zu verlieren und ersetzen zu müssen, kann eine große und auch teure Herausforderung für Unternehmen sein. Zumal für beide Seiten immer auch die Möglichkeit besteht, die Arbeitszeit künftig wieder hochzufahren.

Hinzu kommt, dass der Entscheidung meist ein intensiver Denkprozess vorausging: Der Mitarbeiter weiß, was er will. Unterstützt sein Arbeitgeber ihn bei seiner individuellen Lebensgestaltung, wird er dies in der Regel mit Dankbarkeit und guten Leistungen zurückzahlen, um seinen Teil des "Deals" einzulösen. Hakt es dabei doch einmal, kann es nicht schaden, wenn der Arbeitgeber ihn an die gemeinsame Verabredung erinnert. Schwieriger kann eine Arbeitszeitverkürzung hingegen zu realisieren sein, wenn Leitungsaufgaben im Arbeitsvertrag vereinbart sind. Will der Chef nur noch vier Tage in der Woche anwesend sein, muss geprüft werden, ob und welche Lösungen den reibungslosen Ablauf des Tagesgeschäfts gewährleisten.

"A happy worker is a better worker" - ein glücklicher Mitarbeiter ist ein besserer Mitarbeiter, nennt Arturo Perez einen weiteren Grund für Arbeitgeber, einer Arbeitszeitverkürzung zuzustimmen. Der Acht-Stunden-Tag in einem Altersheim in Schweden hatte ihn nicht nur angestrengt, sondern ihm auch die Energie geraubt, sich nach Feierabend um seine drei Kinder zu kümmern, wie die New York Times berichtet. Sein Arbeitgeber hatte ihm angeboten, nur noch sechs Stunden am Tag zu arbeiten - ohne Gehaltsverlust. Es zeigte sich, dass nicht nur Perez, sondern auch die Bewohner des Altenheims in Schweden von dem Experiment profitierten. Zu den Vorteilen zählten etwa eine bessere Pflege, weniger Fehler, eine höhere Leistungsfähigkeit und geringere Ausfallzeiten. In anderen Bereichen argumentieren viele Fachleute mit der Digitalisierung, die dem Menschen künftig viel Arbeit abnehmen kann - und den Unternehmen mehr Freiraum für flexiblere Arbeitszeitmodelle lässt.

Karriere-Coach Dr. Bernd Slaghuis weist bei Careerbuilder unterdessen auf einen besonderen Typ des Downshifters hin: den Arbeitszeitverkürzer mit gleichzeitigem Stellenwechsel. Unternehmen seien gut beraten, solche Bewerber nicht vorschnell als überqualifiziert abzustempeln: "Der Downshifter wird die Anforderungen an die vakante Stelle höchstwahrscheinlich mit Bravour meistern und sich schnell gewinnbringend einsetzen." Problematisch könne allerdings die Integration in ein bestehendes Team sein. Slaghuis empfiehlt in solchen Fällen Klarheit in der Kommunikation über die Hintergründe der Einstellung sowie die gezielte weitere Wertschätzung der Leistungen des gesamten Teams. "Downshifter bringen eine hohe intrinsische Motivation für ihre neue Tätigkeit mit und können innerhalb eines bestehenden Teams zusätzlich zur disziplinarischen Führungskraft eine Vorbildfunktion gegenüber den Kollegen einnehmen", unterstreicht der Berater.

Fazit: Nur Mut!

"Die Erwartungshaltung, dass ein erfolgreicher Manager rund um die Uhr erreichbar sein muss und ein Mitarbeiter nur dann produktiv ist, wenn er an fünf Tagen in der Woche jeweils acht Stunden arbeitet, ist nicht mehr zeitgemäß", sagt Christian Umbs, Managing Director bei Robert Half. Für Unternehmen besteht das Potenzial von Arbeitszeitverkürzern vor allem darin, dass diese sich ihren Aufgaben besonders bewusst, motiviert und konzentriert widmen. Arbeitgeber leisten mit ihrem Entgegenkommen darüber hinaus einen Beitrag zur Mitarbeiterbindung - und erhalten im günstigsten Fall nicht weniger, sondern eine bessere Leistung. Eine Herausforderung kann es unter Umständen allerdings sein, die anfallende Arbeit umzuverteilen oder gänzlich neu zu organisieren.

Dieser Beitrag wurde erstellt von David Schahinian.

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