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Brexit: Obacht bei der Entsendung

Im März also soll es Realität werden: Das Vereinigte Königreich tritt aus der EU aus. Was das für die rund 2,2 Millionen Menschen aus anderen EU-Ländern bedeutet, die dort arbeiten, ist noch immer unklar. Vor allem bei Entsendungen auf die Insel muss HR auf der Hut sein.

Sie haben doch nicht wirklich ...? Das Staunen und vereinzelt der Schrecken waren groß, als die Bürger des Vereinigten Königreichs beim Referendum 2016 mit 51,9 Prozent für den Austritt aus der EU votierten. Mehrheit ist Mehrheit, selbst wenn einige der lautesten politischen Verfechter eines Brexits kurz nach der Abstimmung in den Sack hauten. Im Juni 2017 starteten die Austrittsgespräche, als offizielles Austrittsdatum steht der 29. März 2019 im Kalender. Bis dahin sind es noch gut drei Monate, doch nach wie vor sind viele Fragen offen.

"Fakt ist: Bis 2020 müssen die Entsendeprozesse für Mitarbeiter, die über eine EU-Staatsbürgerschaft verfügen, nicht geändert werden, da das Recht auf Freizügigkeit weiterhin besteht", sagt Omer Dotou, Leiter der Abteilung Global Mobility Services bei der BDAE-Gruppe. Gleiches gelte für Briten, die in einem deutschen Unternehmen arbeiten. Ob diese Regelungen nach Ablauf der Übergangsfrist bestehen bleiben oder angepasst werden, bleibe abzuwarten. Bei Mitarbeitern, die keine EU-Staatsbürgerschaft besitzen, müsse HR sich dagegen bereits jetzt unbedingt mit den Anforderungen des britischen Aufenthalts-, Arbeits-, Steuer- und Sozialversicherungsrechts auseinandersetzen und die Entsendeprozesse entsprechend anpassen. "Es könnte beispielsweise erforderlich sein, eine neue Niederlassungserlaubnis für betroffene Mitarbeiter zu beantragen. Dies zieht einen erhöhten administrativen und vor allem einen Beratungsaufwand nach sich."

Aline Kapp, Head of Global Mobility Deutschland bei PWC Germany, betont, dass das Vereinigte Königreich im Verhältnis zur EU bei einer Entsendung künftig wie ein Drittstaat zu behandeln sein wird. "Dies hat Auswirkungen auf die Gestaltung von entsprechenden Verträgen. Hierauf sollten sich Unternehmen bereits jetzt einstellen und auch eine Prüfung bestehender Verträge in Betracht ziehen." Eine bedeutende Auswirkung habe der Brexit zudem für große Konzerne sowie Mittelständler, die Produktionsstätten auf der Insel unterhalten, so Kapp weiter. Hier spiele das Thema Mitarbeiterentsendung eine bedeutende Rolle, da regelmäßig Leitungspositionen durch Expats besetzt seien, die als Know-how- und Firmenkulturträger eingesetzt werden. "Darüber hinaus haben in den vergangenen Jahren insbesondere auch kurzfristige Mitarbeitereinsätze und Dienstreisen ins Vereinigte Königreich zugenommen." Zu befürchten seien hier signifikante Einschränkungen durch erhöhte administrative Anforderungen. Nach der Übergangsfrist bis Ende 2020 wird voraussichtlich das deutsch-britische Sozialversicherungsabkommen Anwendung finden, hebt Omer Dotou des Weiteren hervor. Es würde allerdings nur für deutsche und britische Arbeitnehmer in das jeweils andere Land gelten, da es lediglich bilateral sei. "Das bedeutet, dass es beispielsweise keine Anwendung fände, wenn eine deutsche Firma einen Schweizer Spezialisten nach England schickt. Dessen sollten sich HRler bewusst sein."

Die BDAE-Gruppe empfehle für Entsendungen ins Vereinigte Königreich, aber auch für alle anderen Länder mit geopolitischen Unsicherheiten, einen Vorbehaltshinweis im Entsendevertrag des Mitarbeiters bezüglich genehmigungspflichtiger Verfahren, die insbesondere das Arbeits- und Aufenthaltsrecht betreffen, zu integrieren. "Somit besteht eine Rechtsgrundlage, falls aufgrund von noch nicht klar definierten gesetzlichen Änderungen in der Zukunft ein Abbruch der Entsendung notwendig sein sollte."

Dieser Beitrag wurde erstellt von David Schahinian und Christoph Bertram.

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