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HR-relevante Megatrends stets im Blick

Mit ihrem HR-Trendreport spürt die Commerzbank den großen Zukunftstrends nach. Aber was haben Personaler davon, in die Glaskugel zu schauen? Die Personalwirtschaft hat bei Martin Fischedick, Bereichsvorstand Group Human Resources, nachgefragt.

Personalwirtschaft: Herr Fischedick, warum ist es für Ihre Personalabteilung so wichtig, sich regelmäßig mit allgemeinen Zukunftsthemen zu beschäftigen?

Martin Fischedick: Wir haben seit Jahren Rekordbeschäftigung in Deutschland, aktuell mit 45 Millionen Erwerbstätigen. Dadurch hat sich der Wettbewerb um die besten Köpfe enorm verschärft - und das branchenübergreifend. Treiber dieser Entwicklung sind neben dem kontinuierlichen Wirtschaftswachstum vor allem offene Märkte, die Individualisierung, also die zunehmende Wahlfreiheit und Autonomie des Einzelnen, sowie die höhere Bildung der Menschen. In der Folge steigen die Ansprüche an Arbeitgeber. In diesem Umfeld wollen wir Zukunftsthemen für die Personalarbeit der Commerzbank identifizieren. Unser Ziel dabei: Wir wollen weiterhin für qualifizierte Mitarbeiter und Kandidaten attraktiv sein und uns als moderner Arbeitgeber positionieren.

Wie haben Sie Ihre HR-Zukunftsforschung organisiert?

Zum einen beobachten unsere HR-Fachverantwortlichen selbst die Weiterentwicklung ihrer Themen. Wer bei uns beispielsweise für Personalentwicklung, Diversity oder Gesundheit zuständig ist, soll auch wissen, welche zukünftigen Anforderungen hier zu erwarten sind. Darüber hinaus wollen wir den Verantwortlichen zusätzliche Impulse geben, die über den jeweiligen Fachhorizont hinausgehen und unterschiedliche Themen miteinander verknüpfen. Deshalb trägt unser Team "HR Strategy & Research" dazu bei, interdisziplinäre Zusammenhänge zu erkennen, und hat dabei auch die Zukunft der Personalarbeit im Blick.

Wie gelingt der Transfer aus diesem Team in die gesamte Personalabteilung?

Dafür haben wir mehrere Ansatzpunkte: Alle zwei Jahre veröffentlichen wir HR-weit den HR-Trendreport. Die Ausgabe 2018 fokussiert sich auf die Megatrends Demografie, Digitalisierung, Gesundheit, Globalisierung, Individualisierung, Mobilität, Nachhaltigkeit und Wissensgesellschaft. Unsere Autoren zeigen darin, welche personalwirtschaftliche Relevanz diese Megatrends haben, wo unsere Personalarbeit aktuell steht und welche HR-spezifische Bedeutung die Trends zukünftig haben werden. Außerdem bieten wir HR-interne Workshops zu Zukunftsthemen an. Hier werden die Megatrends diskutiert, vertieft und auf konkrete Maßnahmenvorschläge für die Personalarbeit heruntergebrochen. In den Workshops 2018 ging es unter anderem um flache Hierarchien, agiles Arbeiten und die Zusammenarbeit von jüngeren und älteren Kollegen.

Ihr Trendreport ist bestimmt nicht nur für die Personaler der Commerzbank interessant, betreffen die Megatrends doch jedes Unternehmen. Gibt es eine externe Nachfrage?

Ja, wir stoßen in unseren Netzwerken auf ein starkes Interesse an HR-relevanten Megatrends. Deshalb teilen wir unsere Erkenntnisse auch mit HR-Kollegen aus anderen Branchen, zum Beispiel bei gegenseitigen Unternehmensbesuchen.

Nehmen wir einmal einen der erwähnten Megatrends: Wie lässt sich das Thema Globalisierung auf konkrete Maßnahmen im Unternehmen herunterbrechen?

Die Commerzbank ist eine führende, international agierende Geschäftsbank mit Standorten in knapp 50 Ländern. Auch kulturell sind wir ein globales Unternehmen - Menschen aus mehr als 140 Nationen arbeiten bei uns. Der Megatrend Globalisierung ist in HR also ständig präsent. Ein wichtiges Ziel unserer Personalarbeit ist es, dass die Mitarbeiter ausreichend mobil sind. Nur so lässt sich der Personalbedarf auf allen lokalen Märkten optimal decken. Mit unserer überarbeiteten "Global Expatriate Policy" fördern wir Mobilität und bieten deshalb je nach Einsatzland verschiedene Zusatzleistungen - vom Umzug über Kinderbetreuung bis zu länderspezifischen Zulagen.

Oft hapert es in Organisationen ja bei vielen Themen am Transfer von HR zu den Führungskräften. Wie vermitteln Personaler ihnen, worauf es in puncto Personalarbeit, Führung und Organisation künftig ankommt?

Dieser Transfer ruht bei uns auf zwei Säulen. Zum einen müssen Führungskräfte kontinuierlich entwickelt werden. Dafür gibt es in der Commerzbank ein umfangreiches Qualifizierungsangebot, angefangen mit einer individuellen Standortbestimmung im Development Center bis hin zu mehrmonatigen Entwicklungsprogrammen für spezifische Führungsaufgaben. Zum anderen haben wir einen bestens etablierten Business Partner: Unsere HR-Berater unterstützen die Führungskräfte in allen strategischen und operativen Fragen. Auch der Trendreport ist dabei eine Gesprächsgrundlage, wenn es um die Zukunft der Personalarbeit geht.

In Ihrem Report heißt es: "Durch die Digitalisierung wandeln sich Bankhäuser zu strukturierten Datenbanken." Wie digital und datenbankartig ist HR bei der Commerzbank bereits?

Seit 2017 arbeiten wir in multifunktionalen, agilen HR-Teams an drei großen Themen: einem neuen Mitarbeiterportal, einer neuen IT-Datenbasis mit allen Personalanwendungen und an der Digitalisierung der Personalprozesse und -produkte. Wichtig ist, dass die Digitalisierung für alle Commerzbank-Mitarbeiter erlebbar wird - und dafür sind Schnittstellen wie das Mitarbeiterportal gut geeignet.

Die Digitalisierung ist sicherlich eines der wichtigsten Zukunftsthemen. Wie unterstützt Ihre Personalabteilung die Mitarbeiter und Führungskräfte in Zeiten der digitalen Transformation?

Wir müssen unsere Mitarbeiter in den relevanten Themen der Digitalisierung fit machen. Deswegen haben wir geklärt, welche digitalen Kompetenzen wir künftig konkret benötigen und dies in einem neuen Kompetenzmodell hinterlegt. Damit können wir den Bedarf an persönlicher, methodischer und fachlicher Qualifizierung noch genauer ermitteln. Auf dieser Basis können wir unsere Qualifizierungsmaßnahmen passgenau in Richtung digitaler Kompetenzen umsteuern. Das Schulungsangebot reicht heute von mehrteiligen Workshops für Führungskräfte über zweistündige Seminare mit externen Referenten bis zu modernen, digitalen Lernmethoden. Bei allen Personalentwicklungsprogrammen spielen natürlich auch kulturelle Aspekte eine große Rolle. Denn wir brauchen ein digitales Mindset in der Bank.

Was tun Sie, um neue Talente ins Unternehmen zu holen und fit für die Zukunft zu machen?

Die Nachwuchsarbeit war für uns schon immer immens wichtig. Mit dem "International Digital Development Program" haben wir ein innovatives Traineeprogramm aufgesetzt, das junge Talente für digitale Jobs in der Bank qualifiziert. Aufgrund des großen Erfolges ist inzwischen bereits der dritte Jahrgang gestartet. Wir freuen uns darüber, dass wir gemäß einer Studie des Wirtschaftsmagazins Capital und Ausbildung.de aktuell zu Deutschlands besten Ausbildern gehören. Und nicht zuletzt haben wir ein Maßnahmenpaket gestartet, mit dem wir den Gesundheitsgefahren einer Always-on-Arbeitskultur entgegenwirken werden. Dazu zählen etwa Impulsvorträge und Audioevents zu gesundheitsförderndem Zeitmanagement, Seminare für Führungskräfte und Azubi-Veranstaltungen.

Verraten Sie uns zum Schluss bitte, welche Zukunftsthemen gerade auf Ihrer Agenda stehen.

In unserer HR-Strategie haben wir unter anderem die Modernisierung der Commerzbank-Arbeitswelt und HR-Digitalisierung verankert und mit Umsetzungsmaßnahmen ausgestattet. Beispielsweise werden wir bis 2020 unsere Personalführungsinstrumente überarbeiten, Shared Leadership etablieren und alle relevanten HR-Prozesse digitalisieren.

Dieser Beitrag wurde erstellt von Christoph Bertram.

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