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Lernagilität: Die Fähigkeit der Zukunft

Lernagilität bedeutet, sich mit einer neuen Situation konfrontiert zu sehen und nicht zu wissen, was zu tun ist - es dann aber herauszufinden. Das ist eine einfache, aber gängige Definition der Fähigkeit, von der viele Experten sagen, dass sie künftig unabdingbar sein wird. Die Entwicklung ist eine logische Folge der zunehmenden Komplexität und Geschwindigkeit in der Arbeitswelt.

Was ist Lernagilität?

Die Grundzüge der Lernagilität wurden bereits vor einigen Jahren klar umrissen. Pionierarbeit leistete unter anderem Victoria Swisher, die gemeinsam mit weiteren Forschern fünf grundlegende Fertigkeiten des Konzepts formulierte. Demnach zeichnen sich lernagile Persönlichkeiten aus durch

  • mentale Flexibilität. Sie sind fähig, kritisch zu denken und bestehende Möglichkeiten durch neue Ansätze zu erweitern.

  • Agilität in Bezug auf Menschen. Sie sind empathisch und können auch mit schwierigen Zeitgenossen und Situationen umgehen, um die gemeinschaftliche Leistung zu verbessern.

  • Spaß am Experimentieren und Neugierde anstatt Angst vor dem Wandel.

  • Präsenz, die auch in Pilotprojekten Vertrauen in sich selbst und das Team als Ganzes schafft.

  • Selbstwahrnehmung. Sie können sich, ihre Fähigkeiten und ihren Einfluss auf andere gut und realistisch einschätzen.

Ein lernagiler Mensch habe mehr Werkzeuge und Lösungen zur Hand, auf die er sich bei neuen beruflichen Herausforderungen stützen kann, fassten die Autoren bereits 2011 in einer anderen Arbeit zusammen.

Aktueller denn je

Die Beratung Korn Ferry, die die Arbeiten seinerzeit veröffentlichte, blieb auch in der Folge am Ball. Im Oktober 2018 veröffentlichte sie die Ergebnisse einer Umfrage unter mehr als 1.100 Führungskräften deutscher Unternehmen. Sie zeigen, dass die Manager in der Pharma-Industrie in puncto Lernagilität die Nase vorn haben, gefolgt von Technologie und Handel. "Agilität wird heute oft als sehr moderne, aber leere Worthülse verwandt", berichtet Mathias Kesting, Senior Client Partner bei Korn Ferry. Dabei spiele Lernagilität seit vielen Jahren in der Bewertung der Potenziale künftiger Führungskräfte eine entscheidende Rolle.

Und nicht nur dort: Jährlich kürt die Beratung in Zusammenarbeit mit dem US-Magazin Fortune die World's Most Admired Companies, also die bewundernswertesten Unternehmen. Es zeigte sich, dass für 74 Prozent der Organisationen in den Top 50 die Lernagilität ein wichtiges Einstellungs- und Beförderungskriterium ist, während die Quote bei den anderen bei lediglich 66 Prozent lag.

Flexibel auf Veränderungen reagieren

Es gibt weitere gute Gründe, warum Unternehmen Lernagilität und lernagile Mitarbeiter fördern sollten. Der HR-Berater Peats etwa nennt die Veränderungen im Arbeitsalltag vieler Menschen durch die Digitalisierung, die eine erhöhte Anpassungsfähigkeit erfordern. Doch auch schon kleine Änderungen im Betrieb wie etwa die Einführung einer neuen Software oder neue Kollegen erforderten Dynamiken und ein Change-Management, bei dem alle Mitarbeiter mitziehen müssten, um den Erfolg des Unternehmens und den Zusammenhalt der Belegschaft zu garantieren. "Wer eine große Lernfähigkeit aufweist, kann solch organisatorische Veränderungen schneller umsetzen als andere." Nicht nur Peats hebt hervor, dass auch die anderen Mitarbeiter lernfähig sind. Es kostet sie jedoch mehr Energie und Anstrengungen, um auf die Ergebnisse der Lernagilen zu kommen.

Sarah Delahaye und Johannes Riener von der Beratung Kienbaum plädieren dafür, Lernagilität und Feedbackkultur als Bestandteil des Talent Managements zu begreifen. Häufig herrschten dort noch jährliche Zielvereinbarungsgespräche und starre vertikale Karrierepfade vor. Dabei würden viele Ziele, die zu Anfang des Jahres vereinbart wurden, am Ende des Jahres häufig keinen Sinn mehr machen, da sich Projekte und Aufgaben zu schnell ändern. "Neue Ansätze sehen die auf Mitarbeiterebene getriebene Einführung von permanentem Feedback, Endorsements und selbstgesteuertem, bedarfsorientierten multimodalen Lernens vor", berichten sie.

Lernagilität lernen

Die gute Nachricht: Lernagilität lässt sich lernen - zumindest in einem gewissen Maße. Das Center for Creative Leadership hat beispielsweise ein Whitepaper zum Thema veröffentlicht, in dem einige Übungen vorgeschlagen werden. So sollte man sich die Zeit nehmen, bei Problemen oder Aufgaben nicht nur über die naheliegendste oder einfachste, sondern auch über andere, innovative Lösungen nachzudenken. Die Ruhe dafür sollte man sich nehmen, da unkonventionelle Lösungen nicht selten aus dem Unterbewussten oder durch konzentriertes Nachdenken entstehen. Auch das Eingehen von Risiken zählt dazu - wie immer, wenn man neue Aufgaben annimmt. Durch sie könne man jedoch neue Fähigkeiten entwickeln.

Das Lernhilfeinstitut Learn2Learn zählt weitere Möglichkeiten auf, zu denen etwa kollaborative Netzwerke und das Aneignen von Lernstrategien zählen. Mindestens ebenso treffend ist das ebenfalls dort aufgeführte Zitat des US-amerikanischen Zukunftsforschers Alvin Toffler: "Die Analphabeten des 21. Jahrhunderts werden nicht diejenigen sein, die nicht lesen und schreiben können, sondern diejenigen, die nicht lernen, verlernen und wieder lernen."

Ausblick

Zu lernen, wie bestimmte Prozesse Schritt für Schritt funktionieren, ist gut. Lernagilität vergrößert den Werkzeugkasten jedoch erheblich: Mit dieser Fähigkeit sind Mitarbeiter und Führungskräfte in der Lage, Probleme zu lösen, die es heute noch gar nicht gibt. Wie wichtig das ist, zeigt eine aktuelle Studie von Korn Ferry aus den USA: Dort gaben bei einer Umfrage drei Viertel der befragten Unternehmen an, mittlerweile Kandidaten für Funktionen zu rekrutieren, die es bis vor einem Jahr noch gar nicht gab.

Dieser Beitrag wurde erstellt von David Schahinian.

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