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Fit für das Jahr 2030 - Strategien jenseits von Utopie und Dystopie

Firmen müssen sich radikal umstellen, wenn sie von den positiven Effekten von Digitalisierung und künstlicher Intelligenz profitieren wollen. Dafür ist die Beteiligung von HR immens wichtig. Ebenso ein klarer Blick darauf, was die Zukunft bringt.

Digitalisierung und künstliche Intelligenz werden weder ein Heer unqualifizierter Arbeitsloser hervorbringen, noch werden uns Roboter die gesamte Arbeit abnehmen und uns ein Leben in der Hängematte ermöglichen. Doch wie sieht die Arbeitswelt 2030 jenseits von Utopie und Dystopie aus? Darüber muss in den Unternehmen gesprochen werden, transparent und ohne Polemik. Nur so kann den Unternehmensverantwortlichen und den Mitarbeitern klar werden, wohin die Reise gehen soll.

Um den Blick für diese Notwendigkeit zu schärfen, hat EY für die DACH-Region die Studie "What if employment as we know it today disappears tomorrow?" durchgeführt. Dafür wurden Prognosen renommierter Institute ausgewertet, Experteninterviews geführt und mittels Szenariotechnik die Auswirkung einzelner makroökonomischer Faktoren auf die wirtschaftliche Entwicklung untersucht. Nachfolgend ein Blick auf die Kernergebnisse für Deutschland und den daraus resultierenden Handlungsbedarf.

Im Jahr 2030 werden deutschen Unternehmen rund 3,5 Millionen Arbeitskräfte weniger zur Verfügung stehen als heute. Während der IT-, aber auch der Finanzsektor mit der richtigen Strategie gute Zukunftsaussichten haben und deutlich mehr Arbeitsplätze schaffen werden, wird die Automobilproduktion einen Rückgang der Beschäftigungsrate um 50 Prozent verzeichnen. Und: In einem Land mit voraussichtlich knappem Arbeitskräfteangebot werden kleine und mittelständische Unternehmen, die sich nicht auf neue Technologien einlassen, ernsthafte Probleme bekommen, Nachfrage und Kundenwünsche zu befriedigen.

Weckruf für die Automobilindustrie

Um mit dem Stellenrückgang im Automobilsektor zu beginnen: Das sind Zahlen, über die in der Branche in aller Deutlichkeit gesprochen werden muss und bereits wird. Mit realistischem Blick auf die Zukunft müssen neue Strategien entwickelt werden. Dazu gehören die Erschließung neuer Geschäftsfelder und die gezielte Qualifizierung von Mitarbeitern. Einen großen Einfluss auf die Entwicklung nimmt die Verbreitung selbstfahrender Autos. Deutschland kann auf diesem Gebiet sehr wohl ein Vorreiter werden und die Grundlage für ökonomisches Wachstum finden. Die notwendigen Kompetenzen dazu müssen auf- und ausgebaut werden.

In den Wandel investieren

Auch wenn die Prognosen für die IT- und Finanzwirtschaft laut der Studie gut aussehen, werden nur die Marktteilnehmer profitieren, die den Wandel aktiv mitgestalten. Für alle Unternehmen gilt es, einen Prozess zur Anpassung an neue Technologien zu initiieren. Industrie 4.0 wird in Schüben kommen - je nachdem, wann einzelne Innovationen entwickelt und auf den Markt gebracht werden. Sorgfältige Tests dieser Technologien und die Erarbeitung von Konzepten für eine Implementierung auf breiter Basis werden Unternehmen helfen, den Wert ihrer Investitionen zu maximieren und Produktivitätsgewinne zu sichern. Offensichtlich ist, dass große Firmen mehr in technologische Verbesserungen investieren als kleine und mittelständische Unternehmen, da sie das Kapital leichter aufbringen können und stärker von Skaleneffekten profitieren. Auf der anderen Seite können kleine Betriebe oftmals schneller reagieren, weil es bei ihnen weniger strukturelle Barrieren gibt. Für kleine ebenso wie für große Firmen gilt: Wer nicht investiert, geht ein großes Risiko ein.

Auf digitale Skills setzen

Über alle Branchen hinweg sind künftig digitale Fähigkeiten ein entscheidender Faktor. Unternehmen müssen ihre Fortbildungsetats aufstocken und die Taktung der Weiterbildung erhöhen, um sicherzustellen, dass die Beschäftigten mit der jeweils neuesten Technologie vertraut sind. Aber auch das Mindset der Mitarbeiter muss sich ändern. Beschäftigte können es sich nicht länger leisten, Ausbildung nur als eine Phase vor dem Eintritt in die Arbeitswelt zu betrachten. Lebenslanges Lernen und die Fähigkeit, neue Qualifikationen und Kompetenzen zu erwerben, werden essenziell. In sehr naher Zukunft werden wir Berufe ausüben, die es noch nicht gibt, Technologien benutzen, die noch nicht erfunden wurden, und Probleme lösen, von denen wir noch nichts wissen. Dabei geht es nicht nur um technisches Know-how. Der Fokus wird wieder mehr auf den menschlichen Fähigkeiten liegen, die nicht von Robotern ersetzt werden können. Gemeint sind Empathie und Kreativität, vernetztes Denken sowie die Fähigkeit, sich selbst und andere zu inspirieren.

Vom Profit zum Purpose

Um die künftigen Herausforderungen zu bewältigen, müssen Unternehmen den langfristigen Erfolg im Blick haben. Dabei handelt es sich um eine Erkenntnis, die sich in der Wirtschaftswelt auch dort verbreitet, wo man sie noch vor wenigen Jahren nicht unbedingt erwartet hätte. So betonte Larry Fink, CEO der mächtigen Investmentgesellschaft Blackrock, auf dem diesjährigen Weltwirtschaftsforum, dass jedes Unternehmen nicht nur kurzfristig zufriedenstellende Ergebnisse erwirtschaften, sondern auch zeigen müsse, dass es einen positiven gesellschaftlichen Beitrag leistet, um langfristig erfolgreich zu sein. Untersuchungen des EY Bacon Institute zeigen, dass ein klar formulierter und von allen gelebter Unternehmenszweck (Purpose) eine Triebfeder für Innovation ist und die Zusammenarbeit zwischen einzelnen Arbeitnehmern und Teams durch ein gemeinsames Ziel und ein positives Mindset fördert. Geleitet von einer solchen Vision kann der ständige Wandel gelingen, Unternehmen und Mitarbeiter können sich stetig weiterentwickeln.

Gesellschaftlichen Dialog fördern

Die Firmen werden den Wandel nicht allein bewältigen können. Dieser kann nur mit einer aktiven Beteiligung der Zivilgesellschaft und der Politik gelingen. So braucht es einen die gesamte Gesellschaft umfassenden Dialog darüber, wie die durch künstliche Intelligenz erreichte Wertschöpfung verteilt wird. Wichtig ist, dass die Unternehmen sich in diesen Diskurs einbringen und mit allen Beteiligten zu zukunftsweisenden Lösungen gelangen. Zurzeit erleben wir eine Tendenz, nach komplett neuen Lösungen für die Herausforderungen der vierten industriellen Revolution zu suchen und zum Beispiel ein bedingungsloses Grundeinkommen einführen zu wollen, um die drohende soziale Ungleichheit zu mindern. Dabei wäre es effektiver, bestehende Systeme Schritt für Schritt den neuen Herausforderungen anzupassen. Dies sollte mit dem Ziel erfolgen, Beschäftigte mit neuen Kompetenzen und Qualifikationen auszustatten und sie in Arbeitsfelder zu führen, in denen Jobs vorhanden sind oder entstehen werden.

Dieser Beitrag wurde erstellt von Silvia Hernandez, Partner People Advisory services, EY (Ernst & Young), Stuttgart.

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