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Virtual Collaborative Learning - die nächste Stufe der Lernkultur

Skype-Konferenzen, TeamViewer-Sessions oder Mikogo-Meetings: Eine Zusammenarbeit über große Entfernungen hinweg mittels elektronischer Medien ist mittlerweile in vielen Unternehmen Standard. Auch moderne Lernkonzepte setzen auf den neuen Möglichkeiten auf. Virtual Collaborative Learning (VCL) ist ein besonders vielversprechendes, weil es viele Vorteile hat und die Teilnehmer aktiv einbezieht.

Zusammen ist man weniger allein

VCL beschreibt eine Lernumgebung, in der eine Gruppe von Menschen gemeinsam an einem Ziel arbeitet, ihr Wissen teilt und gemeinsam neues Wissen erschafft. Die Ausgestaltung ist flexibel: So kann die Gruppe beispielsweise aus Mitarbeitern eines Unternehmens an verschiedenen Standorten bestehen, oder aber aus internationalen Experten für ein bestimmtes Thema. Das Ziel ist innerhalb von Organisationen meist projektbezogen. Es kann aber etwa auch aus einem fachlichen Austausch über Ländergrenzen hinweg - beispielsweise zwischen verschiedenen Universitäten - bestehen, um Wissen zu bündeln und damit eine bisher ungelöste Frage klären zu können.

Im Gegensatz zu E-Learning-Kursen oder Webinaren steht nicht allein die Vermittlung von Wissen durch einen Tutor oder eine sonstige Autorität im Vordergrund. Stattdessen entsteht es ebenfalls aus der Gruppe heraus. Ein großer Vorteil ist die Flexibilität in der Kommunikation, die erst durch moderne Technik und ausreichend Bandbreite möglich wurde: Der Austausch kann zum einen synchron stattfinden, etwa bei Telefonaten oder Chats. Zum anderen gibt es auch asynchrone Möglichkeiten der Kommunikation, die besonders hilfreich sind, wenn die Teilnehmer in unterschiedlichen Zeitzonen leben und nur schwer zu einer gemeinsamen Tages- oder Nachtzeit gleichzeitig vor dem Rechner sitzen können. Dazu zählen etwa E-Mails oder gemeinsam bearbeitbare Dokumente.

Flexibel, zeit- und ortsunabhängig lernen

Bilder sagen mehr als 1000 Worte, und das knapp vierminütige Video von Harvard Business Publishing fasst einige der größten Vorteile von VCL gut zusammen: Auch über das Netz kann gut diskutiert werden, vor allem, wenn ein Moderator die Gespräche führt. Sollen Entscheidungen getroffen werden, können kurzfristig Befragungen des gesamten Panels durchgeführt werden. Das Ergebnis ist sofort für alle sichtbar. Mihir Desai von der Harvard Business School hebt einen weiteren Aspekt hervor: Wer mit einer Tasse Kaffee vor dem Monitor sitzt und das Gespräch aufmerksam verfolgt, hat die Möglichkeit, sich für einen Moment zurückzunehmen und Themen konzentrierter zu durchdenken. In einem Seminarraum mit 20 Menschen um sich herum fällt das den meisten schwerer.

Helga Pattart-Drexler von der WU Executive Academy in Österreich nennt weitere Vorteile des Konzepts, das dort regional genutzt und mit Präsenzeinheiten verbunden wird:

  • Zeitersparnis: Mitglieder einer Lerngruppe können sich schon im Vorfeld kennenlernen und auch gemeinsam auf die Inhalte vorbereiten. In die Präsenzstunden starten somit alle ohne Vorgeplänkel auf dem gleichen Stand. Der Cloud-Zugriff auf alle relevanten Unterlagen ist ebenfalls von Beginn an möglich.

  • Neue Aufgaben und Impulse im virtuellen Lernraum können "angestupst" werden. Das sogenannte Nudging soll die Teilnehmer in die richtige Richtung lenken oder neue Aspekte eines Themas zur Diskussion stellen. Damit verbunden sind oftmals auch Nuggets - kleine bis kleinste Lerneinheiten, die leicht "verdaubar" sind. Sie kommen den Anforderungen und dem Lebensstil vieler Lernender heutzutage entgegen: Sie wollen sich lieber zwischendurch auf dem Smartphone oder in einer Pause fortbilden und haben mitunter gar nicht die Gelegenheit dazu, sich zwei Stunden am Stück in Ruhe an einen Schreibtisch zu setzen und dort konzentriert zu lernen.

  • "Die Rolle der Vortragenden verändert sich mit dem Virtual Collaborative Learning-Ansatz", so Pattart-Drexler weiter: Sie werden zu Begleitern, Impulsgebern und Sparringspartnern für die persönliche Reflexion.

Persönlicher Kontakt trotz technischer Kommunikationsmittel

Ein Herzstück des Konzepts klang oben bereits an und liegt im Begriff "Collaborative". Wurden früher Lerngruppen gebildet, um sich auf die nächste Klausur vorzubereiten, werden diese nun institutionalisiert und mit allen modernen technischen Möglichkeiten ausgestattet. Man lernt mit- und voneinander, ohne dass es zwingend eines Mentors oder Moderators bedarf.

Der US-Pädagoge und E-Learning-Experte Michael Higley hebt darüber hinaus hervor, dass es den Lernenden hilft, neue Informationen zu verarbeiten, wenn sie direkt konstruktives Feedback geben können. Wer an Peer-to-Peer-Feedback-Aktivitäten teilnehme, also etwa Diskussionen innerhalb einer Gruppe, sei zudem besser auf Situationen in der Praxis vorbereitet - wo sich Fragen oftmals auch aus dem konkreten Zusammenhang ergeben und keinem Lehrbuch entspringen. Des Weiteren werden mit VCL transparente Lernumgebungen geschaffen "und die Entwicklung von Fähigkeiten innerhalb einer wachsenden Lerngemeinschaft unterstützt".

Ausblick

Bislang wurde der VCL-Ansatz überwiegend im universitären Bereich verfolgt und die Erfahrungen in diversen Studien ausgewertet. Darin wurden die grundsätzlichen Vorteile weitgehend bestätigt. In der Praxis wird es bisher jedoch noch eher selten genutzt. Das dürfte unter anderem damit zu tun haben, dass sich kleine und mittelständische Unternehmen angesichts der nötigen Investitionen genau überlegen, ob sich ein ausgewachsenes E-Learning-System für sie lohnt. Bedacht werden müssen sowohl die Kosten als auch etwaige Schulungszeiten, um das System einzuführen und die Belegschaft zur Nutzung zu motivieren. Mit dem weiterhin wachsenden Bedarf an Qualifizierung und Flexibilität dürfte sich VCL jedoch seinen berechtigten Platz in der E-Learning-Welt erobern.

Dieser Beitrag wurde erstellt von David Schahinian.

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