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Wann sich Weiterbildung wirklich lohnt

Nicht für die Schule, sondern für das Leben lernen wir, heißt es. Im Beruf setzt sich das unter dem Begriff "lebenslanges Lernen" fort. Es wird mittlerweile als Schlüssel für die erfolgreiche Bewältigung der digitalen Transformation angesehen. Tatsächlich kann Wissensmehrung nie schaden. Trotzdem ist nicht jede Weiterbildung aus Arbeitgeber- oder Arbeitnehmersicht lohnend.

Objektive Bewertung ist nicht einfach

Lohnen bedeutet laut Duden, dass etwas in ideeller oder materieller Hinsicht von Nutzen ist oder die aufzuwendenden Mühen oder Kosten rechtfertigt. Das muss vorweggeschickt werden, weil es deutlich macht, dass ein Teil der Bewertung immer subjektiv ist. Ideell etwa erweitert eine Fortbildung den Horizont der Arbeitnehmer, sie eignen sich persönlich neue Fähigkeiten an. Ob und wann sich das aber auch für ihren Arbeitgeber in barer Münze auszahlt, ist meist nicht so einfach zu messen. Zumal, wenn das Unternehmen für die Kosten aufkam und seine Mitarbeiter für die Maßnahme auch noch freigestellt hat.

Weiterbildung wird vielerorts zur Pflicht

Grundsätzlich führt in den meisten Berufen kaum ein Weg an Weiterbildung vorbei. Das gilt vor allem für die Tätigkeiten, die vom digitalen Wandel betroffen sind - also fast alle. Der technische Fortschritt führt dazu, dass sich bewährte Berufsbilder grundlegend verändern und neue entstehen. Für Unternehmen ist es folglich schon aus Gründen der Zukunftssicherung wichtig, weiterzubilden, wie unter anderem eine Umfrage der Studiengemeinschaft Darmstadt (SGD) unter 300 Personalentscheidern zeigte. Sie waren sich zudem größtenteils darin einig, dass Weiterbildungsangebote des Arbeitgebers Mitarbeiter binden, das Recruiting erleichtern und das Arbeitgeberimage stärken.

Arbeitnehmer profitieren sogar immer von einer Weiterbildung, sofern sie berufsbezogen ist - sagt zumindest Burkhard Heidenberger, Trainer für Zeitmanagement und Arbeitsmethodik. Sie können neue Herausforderungen besser bewältigen und durch zusätzliche Kompetenzen ihre Karrierechancen verbessern. Damit geht in der Regel früher oder später auch eine Gehaltserhöhung einher, sofern die Weiterbildung nicht lediglich eine Ansammlung verschiedenster Zertifikate ist.

Coach Dr. Bernd Slaghuis sieht das etwas anders. Er nennt mehrere Gründe für Weiterbildung, die der Karriere sogar schaden können. Einer davon ist, die Erwartungen anderer, vor allem der eigenen Vorgesetzten, erfüllen zu wollen. Das könne die berufliche Entwicklung in eine Richtung führen, die nicht mehr den eigenen Zielen entspricht. Auch könne Weiterbildung zu einer Art Droge werden, von der man nie genug bekommt - und die am Ende unglücklich macht. Mancher stehe sich zudem aus Unsicherheit selbst im Weg und lehnt neue Aufgaben ab beziehungsweise geht sie nicht an, weil er denkt, dass er noch nicht ausreichend geschult dafür ist.

Arbeitgeber müssen abwägen

Auch für Arbeitgeber ist eine Weiterbildung der Beschäftigten nicht immer nur von Vorteil. Ist der Sinn und Zweck unklar oder sein Nutzen für das Unternehmen nicht eindeutig, dürften sie zögerlich sein, Geld und/oder Zeit zu investieren. Die größte Sorge führt sie nicht selten in eine Zwickmühle: die, dass der Arbeitnehmer seine neuen Fähigkeiten und seinen gesteigerten Marktwert nutzt, um anderswo anzuheuern. Der Arbeitgeber wäre sowohl sein Investment als auch seinen Mitarbeiter los. Die Alternative, nicht weiterzubilden, ist für Unternehmen aber in der Regel keine Alternative.

Es ist eine Frage des Vertrauensverhältnisses - oder vertraglicher Absprachen -, eine gemeinsame Lösung zu finden. Schließlich hat der Arbeitnehmer immer auch die Möglichkeit, die Weiterbildung mit eigenen Mitteln und Urlaubstagen oder am Wochenende zu absolvieren. Die Bindung an den Arbeitgeber dürfte das, so auf sich allein gestellt, nicht gerade erhöhen. Andersherum wird ein Schuh daraus: Unterstützt das Unternehmen die Weiterbildung eines Mitarbeiters, bringt es ihm Wertschätzung entgegen und verdeutlicht ihm seine Entwicklungschancen im Unternehmen. Zudem profitiert es selbst von den neu erworbenen Kenntnissen.

Ausblick

Weiterbildung lohnt sich folglich in der Regel dann, wenn sie einem Konzept folgt und das Ziel für beide Seiten klar ist. Arbeitgebern und Arbeitnehmern kann der digitale Fortschritt dabei auch in die Karten spielen: Mittlerweile gibt es viele Weiterbildungsangebote wie beispielsweise das Microlearning, die mit geringen Kosten verbunden sind und zeit- sowie ortsunabhängig genutzt werden können.

Das alles schließt im Übrigen auch ältere Arbeitnehmer nicht aus, im Gegenteil. Aufgrund der demografischen Entwicklung wächst die Bedeutung der Weiterbildung älterer Mitarbeiter. Laut Institut der deutschen Wirtschaft (IW) sind mittlerweile 70 Prozent der 55- bis 64-Jährigen in Deutschland erwerbstätig. Zehn Jahre zuvor war es gerade einmal die Hälfte. Der Trend werde sich noch verstärken. "Der Schatz der Erfahrung wird in Zukunft wieder deutlich mehr Gewicht bekommen und statt 'War for Talents' wird es einen 'Run for Experience' geben", zitiert die Wirtschaftswoche Martina Schmeink, Vorständin beim Demografie-Netzwerk Deutschland.

Dieser Beitrag wurde erstellt von David Schahinian.

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