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Probearbeiten: Was dürfen Personalverantwortliche verlangen?

Probearbeiten dient zum einen zur besseren Einschätzung des potenziellen Mitarbeiters; zum anderen erhalten Kandidaten so einen Einblick in das Unternehmen. Doch für alle Beteiligten sind Rahmenbedingung zu beachten.

Wer als Arbeitgeber Bewerber in der finalen Phase des Auswahlprozesses zum Probearbeiten einlädt, bekommt die Möglichkeit, sich ein genaueres Bild von dem potenziellen Mitarbeiter zu machen. Dieser hat seinerseits die Chance, sich zu beweisen und gleichzeitig mehr über das Tätigkeitsfeld sowie den Betrieb zu erfahren. Beide Parteien lernen sich somit bereits im Vorfeld besser kennen. Eventuell enttäuschte Erwartungen an Stelle, Team oder Bewerber lässt sich auf diese Weise reduzieren.

Probearbeiten ist nicht Probezeit

Eine Probezeit ist in der Regel im Arbeitsvertrag vereinbart. Sie dauert von wenigen Wochen bis hin zu sechs Monate. Dafür ist ein Arbeitsverhältnis Voraussetzung, mit dem gegenseitige arbeitsrechtliche Verpflichtungen einhergehen. Das ist bei Probearbeit nicht der Fall. Vielmehr handelt es sich dabei um ein sogenanntes Einfühlungsverhältnis - dieses dient lediglich einem unverbindlichen Kennenlernen. Somit bestehen während des Probearbeitens keine gegenseitigen Rechte und Pflichte. Alles geschieht auf freiwilliger Basis. Das bedeutet: Der zukünftige Arbeitgeber hat keinerlei Weisungsbefugnisse gegenüber des Probearbeitenden, auch wenn er von seinem Hausrecht Gebrauch machen kann. Während der Probearbeit kann der Bewerber frei über die Zeiteinteilung verfügen.

Die Probearbeit setzt eine zukünftig zu besetzende Stelle voraus. Sie rechtfertigt sich also im Rahmen eines Bewerbungsverfahrens, um Kandidaten besser kennenzulernen und zu prüfen, ob bzw. wie diese zum Unternehmen passen. Der Bewerber kann in den Betrieb kommen, sich Abläufe und Tätigkeitsfelder anschauen. Er kann im Tagesgeschäft sozusagen mitlaufen, sollte aber selbst keine tatsächliche Arbeitsleistung erbringen. Das Ausüben kleiner Aufgaben ist unter Umständen möglich. Führt der Bewerber aber Tätigkeiten aus, die darüber hinaus gehen, könnten die Grenzen des Einfühlungsverhältnisses überschritten sein.

Das Stellenportal Campusjäger berichtet auf seinem Blog, dass Arbeitsgerichte die Indizien einer Überschreitung als stillschweigenden Abschluss eines Arbeitsverhältnisses werten können. Dies sei unter anderem der Fall, wenn Bewerber für das Probearbeiten Arbeits- und Pausenzeiten erhalten, sie Dienstkleidung zu tragen haben, bestimmte Arbeitsorte aufsuchen müssen, eine Vergütung erhalten oder Aufgaben übertragen bekommen, die denen von regulären Mitarbeitern gleichen. Geht das Probearbeiten also über ein "Beschnuppern" hinaus und scheint der Bewerber in den Betrieb integriert, liegt unter Umständen kein Einfühlungsverhältnis mehr vor, sondern ein Arbeitsverhältnis - auch ohne schriftliches Vertragsdokument.

Dauer und Bezahlung

Zwar legt das Gesetz keine konkrete Dauer fest, wie lange ein Probearbeiten andauern darf. Aber damit kein stillschweigendes Arbeitsverhältnis entsteht, sollte der Zeitraum in Anbetracht der Rechtsprechung nicht mehr als einen oder wenige Tage andauern - maximal jedoch eine Woche. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, lässt Bewerber nur für wenige Stunden, also etwa einen Vormittag oder Nachmittag probearbeiten.

Bei Probearbeit besteht für Bewerber kein Anspruch auf Vergütung, da sie weder Tätigkeiten übernehmen noch Aufgaben verrichten. Ebenfalls findet das Mindestlohngesetz keine Anwendung. Stellt allerdings ein Arbeitsgericht fest, dass es sich um ein Arbeitsverhältnis handelt, können Bewerber - also dann Mitarbeiter - entsprechende Lohnansprüche durchsetzen. Bei Probearbeitenden braucht der Arbeitgeber keine Meldung bei der Sozialversicherung vorzunehmen. Bei Einfühlungsverhältnissen besteht keine Versicherungspflicht.

Vereinbarung treffen

Im Falle einer Probearbeit ist kein Vertrag erforderlich. Aber eine schriftliche Vereinbarung über das Einfühlungsverhältnis ist im Sinne einer eventuellen Nachweispflicht ratsam. In der Vereinbarung zwischen Unternehmen und Bewerber sollten unter anderem Folgendes enthalten sein: beide Namen, Zeitraum und Ort des Probearbeitens, Ansprechpartner des Bewerbers sowie der Hinweis, dass keine Verpflichtung zur Arbeitsleistung besteht und keine Vergütung erfolgt. Ebenso sinnvoll ist der Hinweis auf das Hausrecht des Unternehmens und die Möglichkeit, dass die Probearbeit jederzeit mündlich von beiden Seiten beendet werden kann.

Dieser Beitrag wurde erstellt von Sven Lechtleitner.

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