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Mobiles Arbeiten: Von Mitarbeitern geschätzt, aber mit Abstrichen

Immer mehr Unternehmen ermöglichen ihren Mitarbeitern mobiles Arbeiten. Auch in der Metall- und Elektroindustrie kann im Schnitt jeder fünfte Beschäftigte örtlich ungebunden seinem Job nachgehen. Eine Studie zeigt, dass die meisten diese Option schätzen, die aber auch Stress mit sich bringen kann.

Ob unterwegs oder im Home Office - Mitarbeiter können ihre Aufgaben zunehmend auch außerhalb des Unternehmens erledigen. In der Metall- und Elektroindustrie bieten bereits 43 Prozent der Betriebe mobiles Arbeiten an. Insgesamt haben 20 Prozent der Mitarbeiter die Möglichkeit, an einem selbstbestimmten Ort außerhalb der Firma zu arbeiten, zwei Drittel müssen dafür allerdings eine Begründung angeben.

Großunternehmen bieten räumlich flexibles Arbeiten öfter an

Von den Firmen ab 3000 Beschäftigen können mehr als zwei Drittel (69 Prozent) mobil arbeiten, während in Betrieben mit weniger als 100 Arbeitnehmern nur 37 Prozent über räumliche Flexibilität verfügen. Auch die Branche spielt eine Rolle: Der Anteil reicht von knapp 31 Prozent in der Metallerzeugung bis zu 60 Prozent in der Elektroindustrie. Naturgemäß ist auch die Art der Tätigkeit dafür entscheidend, ob Beschäftigte räumlich flexibel arbeiten können. Mitarbeiter, die direkt in der Produktion tätig sind, aber auch Schichtarbeiter, haben diese Möglichkeit seltener. Das geht aus dem von der Hans-Böckler-Stiftung geförderten Forschungsprojekt "Leben und Arbeiten in Flexibilität" hervor. Dafür hat das Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) Daten der IG Metall-Beschäftigtenbefragung 2017 ausgewertet, die auf Angaben von 680 000 Teilnehmern beruhen. Zusätzlich flossen Ergebnisse einer Befragung von rund 2000 Betriebsräten in die Analyse ein.

Akademiker und Vorgesetzte haben mehr Chancen auf Mobilität

Die Analyse zeigt auch, dass Akademiker eher zu Hause oder unterwegs arbeiten dürfen als Geringqualifizierte. Führungskräfte haben die Möglichkeit zur Mobilität eher als ihre Mitarbeiter. Arbeitnehmer mit Kindern unter 14 Jahren haben bessere Chancen, räumlich flexibel ihren Job zu erledigen. Von den Beschäftigten, die zwar mobil arbeiten könnten, es aber nicht tun, nennt ein Drittel fehlende technische Voraussetzungen als Grund. Bei ebenfalls einem Drittel stimmt der Vorgesetzte nicht zu. Einem Fünftel der befragten Mitarbeiter ist mobiles Arbeiten aufgrund der räumlichen Situation - etwa kein geeignetes Arbeitszimmer - nicht möglich. Außerdem gab ein Zehntel an, dass der Datenschutz außerhalb des Unternehmens nicht gewährleistet ist.

Work Life Balance und ungestörtes Arbeiten als Hauptvorteile

Fast alle Studienteilnehmer (90 Prozent) finden es gut, den Arbeitsort selbst auswählen zu dürfen. Von jenen, die diese Möglichkeit haben, gaben 86 Prozent an, dass sie dadurch Beruf und Privatleben besser vereinbaren können. Auch sagen vier von fünf Mitarbeitern, dass sie so ungestörter arbeiten können.

Jeder Dritte fühlt sich unter größerem Leistungsdruck

Es gibt jedoch auch Schattenseiten: So haben 30 Prozent der potenziellen Mobilarbeiter Angst, mehr leisten zu müssen, weil sie fürchten, ihr Tun würde nicht ausreichend wahrgenommen. 29 Prozent fühlen sich durch viele Termine mit Anwesenheitspflicht behindert. Jeder Vierte gibt negative Auswirkungen auf die Zusammenarbeit mit Kollegen an. Ebenfalls knapp ein Viertel befürchtet, unwissentlich gegen Regelungen - beispielsweise zum Datenschutz oder zu Arbeitszeiten - zu verstoßen. Fast jeder Fünfte hat Probleme, eine klare Grenze zwischen Arbeit und Freizeit zu ziehen. Hier seien feste Regeln zur Erreichbarkeit gefordert, so die Studienautoren, und wenn Entgrenzung drohe, müssten Vorgesetzte eingreifen. Dass die außerhalb vom Betrieb geleistete Arbeit nicht vergütet wird, beklagen zehn Prozent der Befragten.

Aufgrund der Nachteile nehmen fast drei Viertel der Befragten, die mobil arbeiten können, diese Möglichkeit maximal zwei Tage im Monat in Anspruch. Wer pflegebedürftige Angehörige hat, tut dies öfter und diesen Mitarbeitern wird Arbeiten von zuhause auch häufiger eingeräumt als anderen Arbeitnehmern.

Der Forschungsbericht kann hier zum Download abgerufen werden.

Quelle: Personalwirtschaft.de

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