« Zurück

Neue Arbeitswelt: Ist das Arbeitszeitgesetz noch zeitgemäß?

Wenn Arbeitnehmer laut einer aktuellen Studie mehr als fünf Stunden pro Woche ihrer Freizeit für den Job opfern, dann hat das Arbeitszeitgesetz scheinbar seine Funktion, vor Überlastung zu schützen, verfehlt.

Die aktuelle Auswertung der Studie "Arbeiten in Deutschland" vom Institut zur Zukunft der Arbeit (IZA) und dem beruflichen Netzwerk Xing zeigt: 62,8 Prozent von 1.809 befragten Beschäftigten zwischen 25 und 54 Jahren nutzen einen Teil ihrer Freizeit für jobbezogene Tätigkeiten, von den befragten 1.967 XING-Mitgliedern sind es 87,6 Prozent. Laut IZA/Xing-Studie widmen sich vier von zehn Arbeitnehmern (41,2 %) in ihrer Freizeit mehr als zwei Stunden pro Woche ihrem Job - zusätzlichen zu ihren regulären Arbeitszeiten. Xing-Mitglieder legen mit 58,1 Prozent noch deutlichen einen drauf. Der durchschnittliche Arbeitnehmer verbringt wöchentlich fünf Stunden seiner Erholungszeit mit beruflichen Aktivitäten - gedanklich kreist er sogar mehr als sechs Stunden um seine Arbeit.

Arbeitszeitgesetz hinkt dem Wandel der Arbeitswelt hinterher

Das Arbeitszeitgesetz kann mit dem Wandel der Arbeitswelt kaum noch mithalten und daher viele Arbeitnehmer auch nicht vor Überlastungen schützen. Denn durch flexible Arbeitsplatzregelungen, wie zum Beispiel Home-Office, wird es zunehmend schwieriger, exakte Arbeitszeiten und damit auch Überstunden zu erfassen. Es stellt sich daher die Frage, ob das Gesetz überhaupt noch zeitgemäß ist und nicht eigentlich einer dringenden Überarbeitung bedarf.

Ähnliches gilt für das Weisungsrecht des Arbeitgebers, in dessen Rahmen er unter anderem die Zeit der Arbeitsleistung im Betrieb bestimmen kann. "Wenn aber Dienstgeschäfte freiwillig außerhalb der Bürozeiten erledigt werden, erfüllt das nicht das Kriterium des Weisungsrechts und wäre somit keine Arbeit, was den Betroffenen einigermaßen absurd vorkommen dürfte", erklärte IZA-Chef Hilmar Schneider.

Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit verschwimmen immer mehr

Die Vorzüge der Digitalisierung sind dahingehend unbestritten, dass Arbeitnehmer und Arbeitgeber gleichermaßen ihre Arbeitszeiten flexibel an ihre jeweiligen Bedürfnisse anpassen können. Andererseits verschwimmen die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit immer mehr. Das untermauern auch die Studienergebnisse: Rund 65,7 Prozent der befragten Arbeitnehmer haben eigenen Angaben zufolge feste Arbeitszeiten. Von den befragten XING-Mitgliedern müssen sich nur noch 45,1 Prozent an vorgeschriebene Arbeitszeiten halten.

Frauen opfern ihre Freizeit nicht so häufig für den Job wie Männer

Männer sind eher bereit, einen Teil ihrer Freizeit in den Job zu investieren. "In der repräsentativen Gruppe über alle Beschäftigen füllen 67 % der Männer, aber nur 50 % der weiblichen Befragten einen Teil ihrer Freizeit mit beruflichen Aktivitäten aus", heißt es in der Studie.

Weiteren Informationen zur Studie stehen hier zum Abruf bereit.

Dieser Beitrag wurde erstellt von Christin Isken.

Durchschnitt (0 Stimmen)
Die durchschnittliche Bewertung ist 0.0 von max. 5 Sternen.


Noch keine Anmerkungen Fangen Sie an.