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Mindestlohn auch für Studierende

Der gesetzliche Mindestlohn wurde Anfang 2015 in Deutschland eingeführt und zwei Jahre später auf den aktuell geltenden Brutto-Betrag von 8,84 Euro pro Stunde festgelegt. Auch Studierende hierzulande können in vielen Fällen davon profitieren.

Für eine Beschäftigung neben dem Studium gilt in Deutschland grundsätzlich der gesetzliche Mindestlohn, und zwar unabhängig davon, ob gerade vorlesungsfreie Zeit ist oder nicht. Allgemein gibt es keinen wirksamen Verzicht auf den Mindestlohn, der in vielen Branchen den gesetzlich vorgeschriebenen Betrag sogar noch übertrifft. Seit dem 1. Januar 2018 erhalten auch Studierende, die als Zeitungszusteller[in] arbeiten, das "normale" Bruttogehalt von 8,84 Euro pro Stunde. Finanzielle Zuschläge wie etwa Trinkgelder, Gefahrenzulagen oder solche für Sonn- und Feiertagsarbeit dürfen nicht auf den Mindestlohn angerechnet werden.

Wer parallel zum Studium in einem 450-Euro-Job arbeitet und somit als "Minijobber" einer geringfügig entlohnten Beschäftigung nachgeht, erhält ebenfalls den vorgeschriebenen Stundenlohn von 8,84 Euro, auch für Tätigkeiten in Privathaushalten. Daher sollten im Monat nicht mehr als 50,9 Stunden Arbeitszeit anfallen - was mit Hilfe einer präzisen Zeiterfassung sicherzustellen ist. Die beitragsfreie Familienversicherung durch die Krankenkassen bleibt in diesem Falle gewahrt und gilt ebenfalls für andere regelmäßige Einkommen, die 425 Euro im Monat nicht überschreiten.

Eine geringfügig entlohnte Beschäftigung wandelt sich übrigens bei Überschreitung der Verdienstgrenze von 450 Euro in ein reguläres sozialversicherungspflichtiges Beschäftigungsverhältnis, bei Einkommen bis zu 850 Euro im Monat müssen dann - laut geltender "Midi-Jobs"-Regelungen - allmählich steigende Beiträge in die Rentenversicherung eingezahlt werden.

Besondere Regelungen gelten für Praktika, denn der Mindestlohn wird nicht fällig, wenn diese in der Studienordnung des Studienfachs verpflichtend vorgeschrieben sind oder zur Orientierung vor dem Studienbeginn bis zu drei Monate lang absolviert werden. Innerhalb des gleichen Zeitraums sind auch Praktika vom Mindestlohn ausgeschlossen, welche die Hochschulausbildung begleiten - vorausgesetzt, mit der- oder demselben Studierenden hat zuvor kein Praktikumsverhältnis bestanden. Dauert ein studienbegleitendes oder Orientierungspraktikum allerdings länger als drei Monate, so wird es ab dem ersten Tag mit dem Mindestlohn vergütet.

Für Praktikantinnen und Praktikanten unter 18 Jahren ohne abgeschlossene Berufsausbildung gilt der Mindestlohn generell nicht, da sie als Minderjährige ohne Berufsabschluss vor dem Gesetz noch nicht als Arbeitnehmer gelten. Ein Anspruch auf Mindestlohn kann aber dennoch bestehen - nämlich ab dem Zeitpunkt, an dem während eines Praktikums gegebenenfalls das 18. Lebensjahr vollendet wird.

Dieser Beitrag wurde erstellt von Dr. Frank Walpuski.

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