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Studie: Wie sehen Mitarbeiter die Folgen der Digitalisierung?

Die Digitalisierung bringt Prognosen zufolge zwar auch neue Arbeitsplätze, vorhandene werden jedoch massiv abgebaut. Eine Studie hat nachgefragt, wie die Mitarbeiter selbst die Folgen der technologischen Entwicklung in ihrem Arbeitsumfeld einschätzen. Danach sind vor allem die Deutschen hinsichtlich der Sicherheit ihrer Jobs eher optimistisch. Gleichzeitig sind sie aber skeptisch, was die positiven Seiten des Wandels betrifft.

Deutsche Berufstätige haben kaum Angst davor, im Zuge der Digitalisierung ihre Arbeit zu verlieren: Nur sieben Prozent der Arbeitnehmer halten es für wahrscheinlich, dass ihr Job in den nächsten fünf Jahren durch Technologien wie Künstliche Intelligenz oder Roboter ersetzt wird. Ähnlich wenig besorgt sind die Spanier, bei denen acht Prozent von dieser Wahrscheinlichkeit ausgehen. Ihre französischen Kollegen hingegen sind skeptischer, von ihnen schätzen es mehr als doppelt soviele (17 Prozent) für wahrscheinlich ein, durch Roboter ersetzt zu werden. Auch die Briten sind weniger zuversichtlich (13 Prozent). Das sind Ergebnisse der aktuellen Studie "The Real Future of Work" von Gallup. Dafür wurden im Februar und März dieses Jahres jeweils 1000 Beschäftigte ab 18 Jahren in Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Spanien repräsentativ befragt.

Deutsche rechnen weniger mit größerem Leistungsdruck als andere Europäer

Die Beschäftigten hierzulande rechnen auch weniger als ihre Kollegen in den anderen untersuchten Industriestaaten damit, dass mit dem technologischen Wandel die Anforderungen an ihre Arbeitsleistungen steigen werden. Nur jeder dritte Deutsche geht davon aus, dass dies in den nächsten drei Jahren der Fall sein wird, während in Spanien fast jeder Zweite (47 Prozent) davon ausgeht. In Frankreich sind es 62 Prozent und in Großbritannien sogar zwei Drittel (66 Prozent).

Vier von zehn Arbeitnehmern erwarten höhere Qualifikationsanforderungen

Wenn es darum geht, ob infolge der technologischen Entwicklung die Anforderungen an die eigene Qualifikation höher werden, sind die Deutschen allerdings etwas weniger zuversichtlich als manche ihrer europäischen Kollegen: Immerhin 43 Prozent der Arbeitnehmer erwarten, dass die Anforderungen steigen, während bei den Briten lediglich 30 Prozent und bei den Spaniern 37 Prozent damit rechnen. Nur in Frankreich gehen mit 52 Prozent mehr Berufstätige davon aus. Außerdem macht sich jeder fünfte Deutsche (21 Prozent) Sorgen, dass mit den technologischen Veränderungen die Risiken für die eigene Gesundheit zunehmen. In Frankreich befürchten 18 Prozent eine solche Auswirkung, in Spanien 15 und in Großbritannien neun Prozent.

Mitarbeiter hierzulande glauben weniger an erhöhte Produktivität durch Roboter

Die Studienteilnehmer wurden auch danach gefragt, ob sich aus ihrer Sicht die Arbeitsproduktivität durch die Digitalisierung und Künstliche Intelligenz verbessern wird. Hier zeigen die Antworten, dass deutsche Beschäftigte gegenüber ihren Kollegen aus den anderen untersuchten Ländern wesentlich skeptischer sind. Lediglich etwas mehr als ein Drittel (37 Prozent) der Deutschen glauben, dass sie produktiver werden. In Spanien ist jeder Zweite (51 Prozent) dieser Meinung, in Frankreich sind es zwei Drittel (66 Prozent) und in Großbritannien 70 Prozent.

Leistungsmotivation durch Vorgesetzte könnte besser sein

Die Ergebnisse der Studie zeigen außerdem, dass derzeit nur jeder fünfte deutsche Arbeitnehmer (22 Prozent) durch seinen Vorgesetzten zu hervorragender Leistung motiviert wird im Vergleich zu je 24 Prozent in Frankreich und Großbritannien und 30 Prozent in Spanien. Auch sieht nur jeder dritte Mitarbeiter in Deutschland bei seinem derzeitigen Arbeitgeber genügend Entwicklungspotenzial für die eigene Karriere. Gegenüber Mitarbeitern in Frankreich (21 Prozent), Spanien (19 Prozent) und Großbritannien (14 Prozent) stehen die Arbeitnehmer hierzulande allerdings besser da.

Feedback-Kultur vor allem in Deutschland verbesserungswürdig

Laut Marco Nink, Regional Lead Research & Analytics EMEA bei Gallup und verantwortlich für die Studie, ist es jetzt eine der wichtigsten Führungsaufgaben, den Mitarbeitern zu helfen, sich weiter zu qualifizieren und die eigenen Stärken auszubauen. Dafür müssten Führungskräfte mehr als bisher in den Dialog mit ihren Mitarbeitern gehen, denn besondere in Deutschland mangele es noch immer an Feedback-Kultur. Die Studienergebnisse zeigen, dass 45 Prozent der deutschen Arbeitnehmer mindestens einmal im Monat Feedback von ihrem Vorgesetzten erhalten gegenüber 56 der Franzosen und 58 Prozent der Briten; lediglich die Spanier bekommen seltener Rückmeldungen als die Deutschen (42 Prozent).

Performance Management unter der Lupe

Auch das Performance Management, so Nink, sei häufig nicht darauf angelegt, Mitarbeiter gezielt zu fördern. Lediglich bei 16 Prozent der Mitarbeiter hierzulande wird die Leistung an Kennzahlen gemessen, die der Arbeitnehmer selbst beeinflussen kann. Zum Vergleich: In Spanien trifft dies auf 18 Prozent zu, in Großbritannien auf 25 und in Frankreich auf 29 Prozent. In Deutschland findet auch nur jeder Vierte (24 Prozent), dass seine Leistung fair beurteilt wird. Doch das sind immerhin noch mehr als in Spanien (19 Prozent) und Frankreich (21 Prozent). Nur in Großbritannien liegt der Anteil der Mitarbeiter, die sich fair beurteilt fühlen, mit 32 Prozent höher.

Mehr Informationen über die englischsprachige Studie gibt es hier. Die deutsche Version ist in den kommenden Wochen auf Anfrage erhältlich.

Quelle: Personalwirtschaft.de

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