« Zurück

Im digitalen Radar: Wie Künstliche Intelligenz versteckte Talente aufspürt

Die Entwicklung im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI) schreitet schnell voran. Wie man die neuen Möglichkeiten konkret zum positiven Nutzen einsetzen kann, zeichnet sich in vielen Bereichen jedoch erst langsam ab. Im HR-Bereich stand bisher vor allem die Optimierung des Recruiting-Prozesses mit KI im Vordergrund. Sie kann aber auch in der Mitarbeiterentwicklung gute Dienste leisten.

Fähigkeiten, die nicht im Bewerbungsschreiben stehen

Auch wenn vereinzelte Unternehmen mittlerweile bei Bewerbungen auf einen Lebenslauf oder ein formales Anschreiben verzichten: In Deutschland spielt die formale Ausbildung bei der Besetzung von freien Stellen immer noch eine große Rolle. Der Mitarbeiterstamm wird - zumindest sollte es so sein - durch bedarfsgerechte Fortbildungen und Weiterqualifizierungen entwickelt, um ihn fit für die digitale Zukunft und den damit verbundenen Wandel der Arbeitsaufgaben zu machen. Menschen haben aber noch viel mehr Qualitäten und Erfahrungen: Etwa solche, die sie im Privatleben, auf Reisen oder bei Hobbys entwickelten und verfeinerten, oder solche, die bei der Bewerbung keine Rolle spielten, weil sie seinerzeit nicht relevant waren. KI-Lösungen können helfen, dieses versteckte Potenzial zu heben.

Die auf den ersten Blick einfachste Lösung wäre, die Mitarbeiter nach solchen Kenntnissen zu fragen. Das wäre aber zum einen sehr aufwendig und höchstens in kleinen Unternehmen praktikabel. Zum anderen hebt Marlon Litz-Rosenzweig, Geschäftsführer des Start-ups Talerio, im Gespräch mit Telefonica hervor, dass die Beschäftigten meist selbst gar nicht so genau wüssten, was sie gut können: "Die Daten können manchmal ganz versteckte Talente offenlegen."

Talerio bietet beispielsweise die Möglichkeit eines Assessment-Centers, das online durchlaufen werden kann. Mit dessen Hilfe sollen die Fähigkeiten gemessen werden können, die zwar nirgendwo formal hinterlegt, aber für die tägliche Arbeit relevant sind. Der Mitarbeiter kann ebenfalls profitieren, da sich ihm unter Umständen ganz neue Karrierechancen eröffnen.

KI für das Skill Management

Auch die Deutsche Telekom nutzt neuerdings smarte Software für ihr Skill Management. Im April 2018 stellte der Konzern skillsUP! ein "neues integriertes System für die strategische Personalplanung" vor. Es soll schrittweise im Laufe des Jahres in Deutschland eingeführt werden. Ein Kernelement ist das Zusammenstreichen der Jobprofile von 5.500 auf weniger als 1.000. "Viele Beschreibungen passen nicht mehr zu den Aufgaben und Berufsbildern von heute und sind in einer Sprache formuliert, die - im Wortsinne - weder interne noch externe Bewerber anspricht", berichtet die Telekom. Außerdem seien Job-Profile für Mitarbeiter in den internen Datenbanken nur schwer zu finden.

Mit der Konzentration auf das Wesentliche fällt auch der zweite Hauptaspekt leichter: die ganzheitliche und integrierte Personalplanung. Die neue Job-Architektur ist mittels Software mit dem Skill Management des Konzerns fest verbunden. Ziel ist es unter anderem, mögliche Skill-Lücken bei Führungskräften und Mitarbeitern zu identifizieren und Qualifizierungsmaßnahmen anzustoßen. Sie haben selbst Zugriff auf das System, das durchgängig entlang aller Phasen der Personalplanung assistiert.

Technische Analyse

Wichtig ist, dass den Algorithmen nicht blind vertraut wird. So wird durchaus kontrovers diskutiert, in welchen Bereichen KI dem Personaler voraus ist, und in welchen nicht. Personalberater Andreas Wartenberg schreibt auf cio.de beispielsweise, dass KI menschliche Stärken und Schwächen wie besondere Interessen oder Affinitäten nicht wahrnehmen kann. Dafür brauche es persönliche Gespräche.

Bei Continental hat man es trotzdem getestet - erfolgreich, wie die FAZ berichtet. Der Automobilzulieferer setzte eine Software des Start-ups HR Forecast ein, um die Fähigkeiten von 10.000 technischen Mitarbeitern zu analysieren und verborgene Talente zu entdecken. Das Wissen, das sie sich beispielsweise an der Universität oder in früheren Jobs mit anderen Inhalten angeeignet haben, käme in ihrer jetzigen Funktion noch nicht voll zum Tragen, zitiert die Zeitung Anna Baarup, Leiterin Personalstrategie bei Continental. Der Algorithmus wurde mit zahlreichen, teils auch unstrukturierten Datensätzen aus verschiedenen Quellen gefüttert. Mancherorts habe der Testlauf eine bessere Personalplanung angestoßen, so Baarup weiter.

KI als Unterstützung, nicht als Schreckgespenst

Es muss nicht immer der große Wurf sein, der insbesondere für kleinere Unternehmen stets auch eine Kostenfrage ist. Strategieberater Johannes Woithon erklärt auf computerwoche.de, dass auch mit Mitarbeiterprofilen im Intranet ein erster Schritt zum Aufdecken verborgener Talente getan werden kann. Wird die Community gut gepflegt und findet sie die Aufmerksamkeit des Managements, können davon alle im Unternehmen profitieren. Der Einsatz ist nicht vergeblich: Wird später doch einmal ein entsprechendes KI-System angeschafft oder genutzt, dienen die Daten als eine gute Quelle für die Analyse weiterer bisher nicht aufgedeckter Fertigkeiten. Mit der zunehmenden Verbreitung von KI-Lösungen und dem damit einhergehenden Wettbewerb auf dem Markt ist davon auszugehen, dass die Preise sinken und auch für kleinere Organisationen erschwinglich werden.

Der menschliche Aspekt bleibt aber immer noch der wichtigste. Der Datenschutz und Freiwilligkeit sollten oberste Priorität haben. Hinzu kommt, dass KI für viele Arbeitnehmer auch mit der Angst um den eigenen Arbeitsplatz einhergeht. Eine Studie der Boston Consulting Group zeigte zwar jüngst, dass KI von den Beschäftigten in Deutschland überwiegend positiv gesehen wird. Gleichzeitig befürchtete eine Mehrheit, dass die Technologie zu größerer Kontrolle und Überwachung führt und die Arbeit entmenschlicht. Hier ist Fingerspitzengefühl gefragt - und damit eine Qualität, die nur Menschen haben.

Dieser Beitrag wurde erstellt von David Schahinian.

Durchschnitt (0 Stimmen)
Die durchschnittliche Bewertung ist 0.0 von max. 5 Sternen.


Noch keine Anmerkungen Fangen Sie an.