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Dramatische Fachkräftesituation in Frage gestellt

Eine aktuelle Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung relativiert Darstellungen von Beratungsfirmen und Unternehmerverbänden über einen gravierenden, flächendeckenden Fachkräftemangel in teils siebenstelliger Größenordnung.

Laut Datenbestand der Bundesagentur für Arbeit fehle es, so das WSI, auf dem Arbeitsmarkt lediglich in einigen Branchen an geeigneten Fachkräften, beispielsweise in Gesundheits- und Pflegeberufen, in der Baubranche sowie vereinzelt in technischen Berufsfeldern. Einen Grund für die aus ihrer Sicht deutlich überhöhten Zahlen sieht die WSI-Studie etwa in der Methodik von Unternehmensumfragen des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK).

So habe eine DIHK-Befragung von knapp 24.000 kleinen und größeren deutschen Unternehmen bei 48 Prozent dieser Firmen längerfristig offene Stellen aus Mangel an geeignetem Personal ermittelt. Die Studie des WSI bewertet jedoch das Ergebnis aus verschiedenen Gründen als nicht repräsentativ und korrigiert den Anteil der Unternehmen, die seit mindestens zwei Monaten eine Stelle nicht besetzen können, auf 33 Prozent herunter.

"Ein weiteres Problem mit dieser Zahl ist die Definition von ,längerfristig'", erläutert ein WSI-Experte mit Verweis auf amtliche Daten der Bundesagentur für Arbeit. "Das heißt nicht, dass die Wiederbesetzung in einzelnen Engpassberufen heute nicht deutlich länger dauert als früher. Aber als Indiz für einen weit verbreiteten Fachkräftemangel ist die in der DIHK-Umfrage gewählte Zeitgrenze schlicht wenig aussagekräftig."

In Hinblick auf Niedriglohnbranchen mit geringen Qualifikationsanforderungen, zum Beispiel im Bewachungsgewerbe oder bei der Leiharbeit, in denen laut DIHK-Erhebung der Fachkräftemangel besonders weit verbreitet sei, sieht die WSI-Studie weniger einen Mangel an geeigneten Mitarbeitern, sondern vielmehr eine besonders ausgeprägte Personalfluktuation als das eigentliche Problem an.

Dieser Beitrag wurde erstellt von Dr. Frank Walpuski.

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